Nach der Ökumenischen Mahlfeier der IKvu
und der Suspendierung von Hermann Münzel:

Reaktionen und Solidarität ...

Zusammenstellung: Thomas Wystrach

Pfr. Hermann Münzel


Zum Thema "Ökumenische Mahlfeier":

"Die eigentliche Irregularität sind nicht solche offenen Kommunionfeiern, sondern die Spaltung und die gegenseitige Exkommunikation der Kirchen. Die nicht positiv genug zu würdigende Funktion einzelner Gruppen, welche hier vorpreschen, ist es, dass sie den Kirchen den Skandal ihrer Trennung im Sakrament der Einheit immer wieder vor Augen führen und dafür sorgen, dass wir uns nicht bequem mit dem Status quo abfinden".
Prof. Dr. Walter Kasper (1970)

"Die Kirchenspaltung ist theologisch ein größeres Ärgernis als Versuche einer vielleicht ungeduldigen Antizipation der Einheit der Kirche durch Interkommunion."
Prof. Dr. Karl Lehmann (1970)


Pressemitteilung der Initiative Kirche von unten (IKvu):
"Strafe für Mahlfeier ist Armutszeugnis für die Ökumene!"


KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche"
http://www.kirchenvolksbewegung.de

Pressemitteilung, 7. Juni 2000

Wir sind Kirche ist äußerst bestürzt
über die Suspendierung von Pfarrer Münzel

Mit großer Bestürzung reagiert die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" auf die Suspendierung von Pfarrer Hermann Münzel durch Bischof Dr. Hermann Josef Spital von Trier. Der römisch-katholische Priester Hermann Münzel hatte zusammen mit einer evangelischen Superintendentin, einem alt-katholischen Priester und einer hussitischen Bischöfin anlässlich des Hamburger Katholikentags eine Ökumenische Mahlfeier am Freitag Abend (2. Juni 2000) in der Hamburger Gnadenkirche geleitet, zu der die Initiative Kirche von unten geladen hatte.

Das übereilte Vorgehen von Bischof Spital ist nach der Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung über die Rechtfertigungslehre" am 31. Oktober 1999 in Augsburg ein unverständlicher Affront gegen die Ökumene und steht auch im Widerspruch zur Gebetsmeinung des Papstes für den Monat Juni, nach der besonders darum gebetet werden soll, dass Christus, das Brot des Lebens, mehr und mehr zum Heil der Welt aufgenommen und geschwisterlich geteilt wird.

Besonders unverständlich ist die strikte Anwendung des Kirchenrechts durch Bischof Spital auch deshalb, weil das Ökumenische Mahl in Hamburg nach der vom Vatikan geduldeten so genannten "Lima-Liturgie" gefeiert wurde (bei der im Januar 1982 in Lima / Peru tagenden Vollversammlung der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen wurden durch mehr als 100 offiziell delegierte Theologen aller großen christlichen Kirchen - darunter auch römisch-katholische Theologen - Konvergenzerklärungen angenommen über Taufe, Eucharistie und kirchliches Amt).

Außerdem ist allgemein bekannt, dass bereits vielerorts ähnliche ökumenische Mahlfeiern abgehalten werden. Auch bei großen kirchlichen Treffen wie bei der Ökumenischen Versammlung 1997 in Graz, beim Mainzer Katholikentag 1998 und auf dem Evangelischen Kirchentag 1999 in Stuttgart hat es ökumenische Mahlfeiern gegeben, ohne dass dafür Sanktionen ausgesprochen worden sind.

Das Kirchenrecht muss dem allgemeinen Glaubenssinn dienen und darf ihn nicht bestimmen. Wir sind Kirche geht davon aus, dass durch die zunehmend allgemein geübte Praxis ökumenischer Mahlfeiern in absehbarer Zeit die kirchlichen Bestimmungen angepasst werden.

Wir sind Kirche ruft jetzt alle Laien und Priester zu Solidaritätsbekundungen für Pfarrer Münzel auf:
Hermann Münzel, Ludwig-Simon-Straße 26, 54295 Trier, Tel: 0651-34389, Fax: 0651-309150, E-Mail: imprimatur.muenzel@in-trier.de

Gleichzeitig appelliert Wir sind Kirche an Bischof Spital, die Suspendierung baldmöglichst zurückzunehmen. Wir sind Kirche bittet, diesem Appell durch Briefe und Faxe an Bischof Spital Nachdruck zu verleihen:
Bischof Dr. Hermann Josef Spital, Liebfrauenstraße 1, 54290 Trier, Tel: 0651-7105-209, Fax: 0651-7105-497, E-Mail: info@dioezese-trier.de


AGP
Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen in der Bundesrepublik Deutschland
c/o Edgar Utsch, Siegfried-Straße 6, 45888 Gelsenkirchen
Fon & Fax: 0209 / 23736, E-Mail: I.Utsch@t-online.de

AGP-Jahresversammlung in Heppenheim (12.-14.6.2000)

+ + + pressemitteilung +++

Die Delegierten der AGP-Jahresversammlung haben sich mit der Suspendierung des Priesters Hermann Münzel, der unserer Mitgliedsgruppe "imprimatur" angehört, durch den Trierer Bischof Spital befasst. In verschiedenen Briefen haben wir uns an Hermann Münzel, Bischof Spital und an die Mitarbeiter der Zeitschrift "imprimatur" gewandt.

Darüber hinaus geben wir, die Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen in der Bundesrepublik Deutschland (AGP), folgende Erklärung ab:

1. Wir bekunden Hermann Münzel unsere uneingeschränkte Solidarität und freuen uns über seine mutige Entscheidung, bei der von der "Initiative Kirche von unten" (IKvu) in Hamburg verantworteten ökumenischen Eucharistiefeier als Mitzelebrant teilzunehmen.

2. Wir sind befremdet über die von uns als Unrecht empfundene Suspendierung Hermann Münzels durch seinen Bischof, der dadurch einen langjährigen, verdienstvollen Mitarbeiter in seiner Würde und Integrität verletzt hat.

3. Wir erwarten die baldige Aufhebung der Suspendierung durch Bischof Spital.

4. Wir werden in der AGP und in Zusammenarbeit mit "imprimatur", IKvu und der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" durch eine verstärkte theologische Arbeit dazu beitragen, dass ökumenische Eucharistiefeiern möglichst bald zu einer selbstverständlichen und auch von der Amtskirche befürworteten Wirklichkeit werden.

Für weitere Informationen stehen zur Verfügung:

  • Edgar Utsch, Geschäftsführender Sprecher der AGP
    Tel.: 0209 / 23736, E-Mail: I.Utsch@t-online.de
  • Thomas Wystrach, Pressesprecher der IKvu
    Tel.: 0174 / 5146358, E-Mail: presse@ikvu.de

gez. Edgar Utsch, Geschäftsführender Sprecher der AGP


Pfarrer Hubertus Janssen
Mainzer Straße 3, 65552 Limburg
Tel.: 06431/72583, Fax.: 06431/74584
E-Mail: Hubertus.Ja@t-online.de

Limburg, den 7. Juni 2000

Herrn Bischof
Dr. Hermann Josef Spital

Sehr geehrter Herr Bischof,

mit großer Bestürzung und tiefe Traurigkeit habe ich vor einer Stunde die Nachricht über die Suspendierung von unserem Mitbruder Hermann Münzel erhalten. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Suspendierung zwar durch das Kirchenrecht abgedeckt ist aber mit der frohmachende Botschaft Christi nicht im Einklang steht.

Ich möchte als Mitbruder im Amt eindringlich darum bitten, diese Suspendierung zurückzunehmen. Stellen Sie die Großherzigkeit Christi über den Kanon 1385.

Mit brüderlichem Gruß
Pfarrer Hubertus Janssen


Friedrich Halfmann
45721 Haltern
Telefax 02364/7699
E-Mail: halfmann@01019freenet.de

Zum Konflikt zwischen Bischof Spital und Hermann Münzel
infolge des Ökumenischen Gottesdienstes in Hamburg

Bei den folgenden Anmerkungen bleiben die theologischen Probleme (Eucharistie/ Abendmahl, Amtsverständnis u.a.) ausgeklammert. Diese sind zwar nicht unwichtig, aber die Aspekte "Befehl und Gehorsam" und der Umgang mit Konflikten in unserer Kirche verlangen im Augenblick mehr Aufmerksamkeit. Dazu die folgenden Reflexionen. Sie sind zur Diskussion gestellt.

Vorbemerkung
Hermann Münzel ist vielen ChristInnen seit Jahren bekannt. Seine Bereitschaft, als katholischer Priester am Ökumenischen Gottesdienst mitzuwirken, hat große Zustimmung erfahren. An der Lauterkeit seiner Motive gibt es keinen Zweifel und an seiner kirchlichen Loyalität erst recht nicht. Allerdings fehlen z.Z. einige Informationen, z.B. solche zur Reaktion von Bischof Spital ganz konkret, zu Hermann Münzels Erschrecken über die Suspendierung, zu seiner Entschuldigung und der Zusage, in Zukunft von Wiederholungen solcher Art Abstand zu nehmen. Aussagen und Urteile, die sich auf ihn beziehen, stehen deshalb unter dem Vorbehalt nicht ausreichender Kenntnisse.

Erstens
Es konnte nicht überraschen, dass Bischof Spital mit der Suspendierung reagierte. Die deutschen Bischöfe haben lange zuvor jedem möglichen katholischen Mitzelebranten diese Strafe angekündigt. (Solche) Kirchenstrafen zu verhängen, gehört auch zu ihrer Rolle, und wer als Diözesanpriester darüber erstaunt und erschrocken ist, dessen Verwunderung ist schwer nachzuvollziehen.

Anstatt über kirchliche Strafmaßnahmen zu lamentieren, könnte man sie auch gelassener angehen. Die ausgesprochene Suspendierung ist ein zwar verständliches, aber letztlich unangemessenes, weil überzogenes, juristisches Ritual von Bischof Spital. Er steht unter vielfältigem Druck, z.B. dem seines Amtsgewissens und unter dem realen Konformitätsdruck seiner Bischofskollegen. Die von ihm verhängte Kirchenstrafe sagt weniger aus über die theologische Wahrheit bzw. über die Richtigkeit des Handelns von Hermann Münzel sondern mehr über die innerkirchliche Opportunität eines gemeinsamen Abendmahls (vgl. ´die Zeit ist noch nicht reif....´). Man sollte also Bischof Spitals Entscheidung als Teil seines Verwaltungshandeln ansehen und dementsprechend niedriger hängen. Allerdings fällt dann auf, dass es leider immer noch keine funktionierende innerkirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit gibt. Nicht einmal eine Berufungsinstanz gegen die Entscheidung des Bischofs hatte Hermann Münzel.

Zweitens
Wenn es wahr ist, dass aktive priesterliche Teilnahme am Abendmahl anderer Konfessionen von vielen Klerikern praktiziert wird, solange dies nicht öffentlich geschieht, dann müssten sich endlich diese Kleriker zu Wort melden, sich hinter Hermann Münzel stellen und es diesem bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit gleichtun.

Es ist schon verwunderlich, dass sich m. W. auch die anderen katholischen Priester, die, wenn auch in etwas größerer Entfernung zum Altar die sog. Wandlungsworte mitgesprochen haben, bis jetzt nicht als Mitwirkende bekannt haben. Ist ihnen der Schrecken einer möglichen eigenen Suspendierung in die Knochen gefahren? Andererseits ist das Schweigen aber auch verständlich, denn unter Klerikern gibt nur wenig echte und warmherzige Solidarität, wenn es um einen Hierarchiekonflikt geht. Selten ist dann ein "Priester in Not" so allein, wie wenn er von "Mitbrüdern" umgeben ist.

Drittens
Die Kirche ist immer auch öffentlich, sie handelt in der Öffentlichkeit und kommuniziert über gesellschaftliche Probleme und deren Lösung zwangsläufig auch nach Spielregeln unserer Gesellschaft. Deshalb werden wir in Zukunft immer wieder damit rechnen müssen, dass in wichtigen Fällen auch auf öffentliche Weise zum Wohle der Gemeinschaft Grenzen überschritten werden.

Im nichtkirchlichen Bereich ist das schon fast eine Selbstverständlichkeit. Die öffentliche Diskussion z.B. um eine geänderte rechtliche und auch moralische Bewertung der Abtreibung ist erst dadurch möglich geworden, dass Anfang der 70er Jahre anerkannte und geschätzte Frauen auf den Titelseiten von Zeitschriften bekannten: "Ich habe abgetrieben", d.h. ich habe mich strafbar gemacht (und als Katholikin: Ich bin exkommuniziert). Ohne diese Provokation, die damals die politische Debatte über den § 218 in Gang gebracht hat, wären Donum vitae und Frauenwürde e.V., die sich erfreulicherweise für eine Begleitung von Frauen katholischen Frauen in Schwangerschaftskonflikten stark machen, heute gar nicht denkbar.

Wer weniger angreifbare Beispiele aus dem innerkirchlichen Bereich vorzieht: Bis vor wenigen Jahren war es Mädchen und Frauen nicht gestattet, am Altar als Messdienerinnen zu agieren. Viele Pfarrer haben jedoch das als richtig Erkannte getan, und Rom hat die neue Praxis inzwischen anerkannt und sogar rechtlich fixiert. Ferner: Zwischen den beiden Weltkriegen begannen Priester der Liturgischen Bewegung die Messtexte ins Deutsche zu übersetzen. Das war damals strikt verboten, und die Wortführer der Bewegung wurden gemaßregelt. Vierzig Jahre später hat das Zweite Vaticanum die muttersprachliche Liturgie sogar verpflichtend gemacht. Heutige Selbstverständlichkeiten verdanken sich häufig genug den Regelverletzungen, zu denen einige Wenige früher den Mut hatten.

Viertens
Es ist bedenklich, eine kirchenpolitische Aktion wie den gemeinsamen Gottesdienst, nur deswegen mit dem Etikett des 'trotzigen' Handelns zu belegen, weil auch Emotionen des lautstarken Widersprechens im Spiel sind. Schließlich war der Gottesdienst in Hamburg keine Affekthandlung. Ihm gingen lange Beratungen aller Beteiligten voraus. Wenn sich allerdings Bischöfe völlig unreflektiert als "Väter" verstehen (und nicht etwa als Brüder), dann muss zwangsläufig jeder laute und emotionale Widerspruch gegen sie als "kindlicher" Protest interpretiert werden. Die Bischöfe der katholischen Kirche sind aber nur aufgrund eines allerdings weit verbreiteten Missverständnisses, das auf Infantilisierung der Laien abzielt, zu "Vätern" (gemacht) geworden.

Darum: Nicht jeder, der seinem Bischof klar und heftig widerspricht, protestiert insgeheim gegen seinen "Vater". Und wenn erwachsene Menschen dies mit guten Gründen tun, dann sollte Solches nicht mittels der Diagnose "pubertärer Autoritätskonflikt" verdächtigt bzw. lächerlich gemacht werden.

Leidet etwa Bischof Kamphaus an einem pubertären Autoritätskonflikt, wenn er dem Papst und der Bischofskonferenz widerspricht und in der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung verbleibt? Leiden etwa die GründerInnen von Donum vitae und die Frauen des Vereins Frauenwürde e.V. an dieser spezifischen Unreife, wenn sie eine hierarchiefreie katholische Beratung organisieren?

Fünftens
Zum "Spiel" des zivilen bzw. kirchlichen Ungehorsam gehört unbedingt, die verhängte Strafe ohne Wenn und Aber anzunehmen. Nur so setzt der Protest wirklich öffentliches Nachdenken in Gang. Konkret: Wird Bischof Spital jemals die Chance haben zu entdecken, dass seine Reaktion auf Hermann Münzels Handeln theologisch fragwürdig, kirchenrechtlich unklug und menschlich gesehen ein Fehlgriff war, wenn Hermann Münzel selbst, wie zu erfahren ist, das Unrechtmäßige seines Handelns zugibt und Besserung verspricht?

Wie will andererseits Hermann Münzel glaubhaft machen, dass er es für existentiell wichtig hielt, diese Grenze zu überschreiten, wenn er nicht bereit ist, den zuvor bekannt gegebenen Preis zu zahlen. Der zeitlich begrenzte Verzicht auf die Ausübung priesterlicher Funktionen ist zudem ein relativ geringer Preis. Lehrmäßig irrende Kleriker oder solche, die heiraten, werden mittels Exkommunikation in ihrer gesamten beruflichen Existenz angegriffen und häufig getroffen. Manche Laien werden aus viel geringeren, gleichzeitig aber viel verständlicheren Anlässen gnadenlos bestraft, z.B. wiederverheiratete Geschiedene. Sie erhalten unwiderruflich 'lebenslänglich', was den Ausschluss von den Sakramenten betrifft, es sei denn, sie trennten sich wieder.

Zum Schluss
Die Zahl der Konflikte in der katholischen Kirche wird in Zukunft nicht abnehmen, sondern eher zunehmen. Wenn nicht alles täuscht, werden wir in deren Bewältigung als katholische ChristInnen mit und ohne Amt noch vieles lernen müssen. In einer Kirchenprovinz, in der seitens der Hierarchie eine so umfassende Gesprächsverweigerung herrscht wie in der deutschen Kirche seit der Würzburger Synode, darf niemand erstaunt sein, dass einzelne ChristInnen und engagierte Gruppen in konkreten Situationen auch provokativ handeln.

Das alte Schema von Befehl - Gehorsam/Strafe hat als kirchliches Handlungsmuster offensichtlich ausgedient. Immer mehr ChristInnen merken es.

Haltern, den 14.6.2000


KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche", Diözesangruppe Münster

Sprecher: Konrad Neumann
Sandstraße 19, 46286 Dorsten
Tel. 02369 / 77183
E-Mail: pk.neumann@cityweb.de

Bankverbindung: Darlehenskasse Münster e.G
Konto-Nr.: 152 872 00; BLZ 400 602 65

Dorsten / Münster, 8. Juni 2000

Offener Brief an Bischof Reinhard Lettmann, Münster
gleichzeitig Pressemitteilung, zur sofortigen Veröffentlichung

Sehr geehrter Herr Bischof Lettmann,

die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" im Bistum Münster begrüßt ausdrücklich die ökumenische Abendmahlfeier der Initiative Kirche von unten, die anlässlich des Katholikentages in Hamburg unter Teilnahme des römisch-katholischen Priesters Hermann Münzel vor über 1000 Gläubigen stattfand. Wir sind Kirche wertet diesen mutigen Schritt praktizierter Glaubensgemeinschaft als vorauseilenden Gehorsam im Hinblick auf die vollkommene Ökumene, die in den Herzen der meisten Christinnen und Christen ohnehin schon vollzogen ist und vielfach in den Gemeinden gelebt wird. Mit Blick auf den ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin muss die Kirche jetzt die Chance nutzen, die noch bestehenden theoretischen Hindernisse zu beseitigen, um die Gläubigen nicht noch länger von der Einheit in Vielfalt zu trennen.

Denn an der 'Basis' versteht man schon lange nicht mehr, warum das gemeinsame Erbe Jesu Christi, das Abendmahl, nicht auch gemeinsam gefeiert werden kann. Schließlich sind es nicht die Gläubigen, die diese schmerzhafte Trennung zu verantworten haben, sondern Theologen und Bischöfe seit dem 16. Jahrhundert. Die Zeit ist überreif, die schmerzlichen Erfahrungen der Trennung vieler Christinnen und Christen zu beenden - sei es in konfessionsverschiedenen Ehen oder in der ökumenischen Begegnung katholischer und evangelischer Pfarrgemeinden.

Vor diesem Hintergrund sind wir zutiefst bestürzt über die Suspendierung von Pfarrer Hermann Münzel durch den Trierer Bischof Dr. Hermann Josef Spital, der ihm mit Schreiben vom 5. Juni 2000 "vorläufig (..) bis auf Widerruf" alle Amtshandlungen als römisch-katholischer Priester verboten hat. Das übereilte Vorgehen von Bischof Spital ist nach der Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung über die Rechtfertigungslehre" am 31. Oktober 1999 in Augsburg ein unverständlicher Affront gegen die Ökumene.

Besonders unverständlich ist die strikte Anwendung des Kirchenrechts durch Bischof Spital auch deshalb, weil das Ökumenische Mahl in Hamburg nach der vom Vatikan geduldeten so genannten Lima-Liturgie gefeiert wurde. Außerdem ist allgemein bekannt, dass bereits vielerorts ähnliche ökumenische Mahlfeiern abgehalten werden. Auch bei großen kirchlichen Treffen wie bei der Ökumenischen Versammlung 1997 in Graz, beim Mainzer Katholikentag 1998 und auf dem Evangelischen Kirchentag 1999 in Stuttgart hat es ökumenische Mahlfeiern gegeben, ohne dass dafür Sanktionen ausgesprochen worden sind. Das Kirchenrecht muss dem allgemeinen Glaubenssinn dienen und darf ihn nicht bestimmen!

Wir hoffen, dass Sie zu den Befürwortern einer baldigen, umfassenden Ökumene gehören. Wir bitten Sie dringend, sich innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz und mit dieser bei unserem Papst Johannes Paul II. und den zuständigen Kongregationen für eine rasche und vorbehaltlose Lösung der noch existierenden Fragen in puncto Amts- und Sakramentenverständnis einzusetzen. Vor allem aber möchten wir Sie bitten, sich bei Bischof Spital für die Rücknahme der ausgesprochenen Sanktionen einzusetzen und bitten um Antwort, wie Sie zu angesprochener Problematik stehen und welche Aktivitäten Sie ergreifen wollen.

Nach dem für die KirchenVolksBewegung äußerst erfolgreichen Katholikentag - die von Wir sind Kirche durchgeführten Veranstaltungen gehörten zu den am besten besuchten des viertägigen Treffens - möchten wir den deutlich sichtbaren und erlebten Schwung für Reformen in der Kirche nutzen und vor Ort ein Zeichen für gelebte Ökumene setzen.

Wir laden alle Christinnen und Christen ein zum 15. KirchenPolitischen NachtGebet seit dem KirchenVolksBegehren, gleichzeitig dem ersten Ökumenischen NachtGebet im Kirchenkreis / Kreisdekanat Recklinghausen, das am Mittwoch, 14. Juni 2000 um 19.30 Uhr (bis ca. 21.30 h) in der Evangelischen (!) Erlöserkirche, Hennewiger Weg, in Haltern stattfindet. Das Thema des von katholischen und evangelischen Christinnen und Christen aus Haltern vorbereiteten Gebetes, das Bezug nimmt auf das biblische Wort "Alle haben teil an dem einen Brot", lautet: "Wir decken schon 'mal den Tisch - denn Ökumene lebt von unten". Dabei wird hier bewusst nicht das gemeinsame Mahl im Mittelpunkt stehen, sondern die Überlegungen zu dem, was uns eint. Dennoch werden die Symbole des Brotes und des Weins, Ausdruck dieses Sakramentes, das beide Kirchen haben, eine besondere Rolle spielen.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für gesegnete Pfingsttage

Konrad Neumann,
Sprecher der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" im Bistum Münster

Die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" setzt sich seit dem KirchenVolksBegehren 1995, das alleine in Deutschland über 1,8 Millionen Christinnen und Christen unterschrieben, für Reformen in der Katholischen Kirche ein - für eine geschwisterliche Kirche, für die Gleichberechtigung der Frauen in allen kirchlichen Ämtern, für die Aufhebung des Pflichtzölibates, für eine positive Bewertung der Sexualität und für mehr Frohbotschaft statt Drohbotschaft.


Pfr. Klaus Braden
Gartenstraße 31, 89564 Nattheim
Tel.:  07321/71216, Fax:  07321/73490

E-Mail: BradenK@t-online.de
HP privat: http://braden.geht-online.de
HP Gemeinde: http://kirche.geht-online.de

Sehr geehrter Herr Bischof,

über Freunde habe ich erfahren, dass Sie Pfr. Münzel suspendiert haben wegen seiner Teilnahme an der ökumenischen Mahlfeier in Hamburg. Ich halte Ihr Vorgehen für ein Unding, weder theologisch, noch menschlich oder ökumenisch verantwortbar. Wenn alle Priester in Deutschland suspendiert würden, die mit einem evangelischen Pfarrer das Abendmahl gefeiert haben (dazu gehöre auch ich), dann sähe die Priesternot noch schlimmer aus. Zwar hat Pfr. Münzel nach meiner Information ein Alter erreicht, an dem er sich auf die Pensionierung freuen kann - dies habe ich auch in allen Gottesdiensten meiner Pfarreien am vergangenen Sonntag gesagt - doch unsere Kirche bietet mal wieder ein Bild, dass es zum Weinen ist. Ich werde auch am kommenden Pfingstfest dazu Stellung nehmen und um die Gabe des Geistes für die ganze Kirche beten.

Sehr geehrter Herr Bischof, es wäre keine Schande, wenn Sie Ihre Entscheidung nochmals bedenken und rückgängig machen würden. Bitte haben Sie keine Angst vor den Scharfmachern in der deutschen Kirche. Der größte Teil des Gottesvolkes denkt wie Pfr. Münzel. Sind das alles Häretiker?

Ich bin bestürzt und traurig.

Mit freundlichem Gruß
Klaus Braden, Pfarrer von Herz Jesu Nattheim und St. Georg Auernheim

WENN DIE KIRCHE NICHT DIENT, DIENT SIE ZU NICHTS.
(Bischof Gaillot)

Zu meiner Person: Ich bin Priester seit 1966 in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und stehe im 60. Lebensjahr. Ich habe also auch gewisse Erfahrung in der Seelsorge und in der Glaubensverkündigung. Auch mich würde ein Suspendierung nicht allzu hart treffen, da ich vor Gott und den Menschen meine Seelsorgsarbeit langjährig verantwortlich geleistet habe.


Brigitte Schmidt
Am Strehl 15c
26125 Oldenburg
Tel 0441/602231

Oldenburg, den 7.6.2000

Ein Akt vorauseilenden Gehorsams!

Das für mich eindrucksvollste und bewegendste Ereignis auf dem Hamburger Katholikentag war das ökumenische Abendmahl. Katholische und evangelische Christen kamen zusammen, um - gemäß dem Auftrag Jesu - gemeinsam Mahl zu feiern. Mit großer Ernsthaftigkeit wurde dieses Mahl von den Geistlichen der verschiedenen christlichen Kirchen zelebriert. Insbesondere der Vertreter der katholischen Kirche war sichtlich bewegt. Stark zu spüren war die Anteilnahme der versammelten Gemeinde und der Gemeinschaftscharakter der Feier. Gemeinsam begegneten wir Jesus Christus - durch die Teilhabe an seinem Leib. Gemeinsam hatten wir Anteil am Bund Gottes mit den Menschen - durch die Teilhabe an seinem Blut. Ein Hauch dessen war zu spüren, was Jesus meint, wenn er uns aufträgt: "Bleibt in Eins mit mir, dann bleibe auch ich in Eins mit euch." (Joh. 15,4).

Die Sehnsucht nach einem gemeinsamen Abendmahl der Christen war aber nicht nur in dieser Mahlfeier zu spüren, sondern prägte den ganzen Katholikentag. Das christliche Volk ist hier vom Bewusstsein schon viel weiter als die Kirchenleitungen, die mit Spitzfindigkeiten die Mahlgemeinschaft immer noch blockieren. Von der Theologie her steht dem gemeinsamen Mahl nichts mehr entgegen. Im Gegenteil: Dieses ist unverzichtbar, wenn das Ziel der Einheit der Christen keine bloße Worthülse bleiben soll. Die vorhandenen Probleme sind zu lösen: Gemeinsam glauben wir an die reale Präsenz Jesu Christi in den gewandelten Gestalten. Darauf kommt es doch an!

Natürlich müssen wir uns in einigen Punkten noch entgegenkommen: Die evangelischen Christen müssen die katholische Überzeugung von der bleibenden Präsenz Jesu Christi auch nach dem Mahl akzeptieren. Was sollte auch 7dagegen sprechen, die gewandelten Gestalten mit Respekt vollständig zu verzehren und eine Form zu finden, die dem Bedürfnis nach einem würdigen Umgang voll entspricht? Die katholischen Christen müssen ihrerseits akzeptieren, dass es bei dem gestifteten Mahl bleiben soll und dass der Mahlcharakter nicht durch - wenn auch aus katholischer Sicht durchaus sinnvolle - sekundäre Elemente verfremdet werden darf. Was sollte auch dagegen sprechen, im Rahmen eines ökumenischen Mahles auf eine eucharistische Anbetung zu verzichten - die in der Regel in normalen katholischen Sonntagsgottesdiensten ohnehin nicht vorgesehen ist. Bei dem Mahl auf dem Katholikentag wurde dieses Entgegenkommen so praktiziert. Auch das Amtsverständnis darf kein ernsthafter Hinderungsgrund für die Mahlgemeinschaft sein. Hier ist es an der Zeit, Konsequenzen daraus zu ziehen, dass - nach dem Verständnis des II. Vatikanums - die ganze Christenheit Kirche Jesu Christi ist, wenn diese auch in der katholischen Kirche voll verwirklicht ist (Canon 204 des Kirchenrechts).

Ich wünsche mir, dass sich das ökumenische Abendmahl auf dem Hamburger Katholikentag als wichtiger Schritt hin zur offiziellen Abendmahlsgemeinschaft erweist - als Akt vorauseilenden Gehorsams. Und übrigens: Der nun suspendierte Pfarrer ist zwar nicht Galilei. Doch die katholische Kirche musste schon zu manchen zu Lebzeiten abgelehnten Zeitgenossen nachträglich rehabilitieren.

Brigitte Schmidt, Oldenburg


An
Dr. Hermann Josef Spital
Liebfrauen-Strasse 1
54290 Trier

13. Juni 2000

Ökumenische Mahlfeier in Hamburg

Sehr geehrter Herr Bischof,
ich bin Student der Informatik und seit vielen Jahren in der Katholischen Hochschulgemeinde in Kaiserslautern aktiv. Dort betreue ich unter anderem das ökumenische Taizé-Gebet. Gemeinsame Veranstaltungen und Gottesdienste mit der ESG waren mir immer sehr wichtig. Obwohl mir die Strukturen und Handlungen der römisch katholischen Kirche schon oft ein Ärgernis waren, fühle ich mich in ihr noch relativ beheimatet. Ich möchte kurz meinen Hintergrund bezüglich Ökumene andeuten und Ihnen dann meine Gedanken zur gemeinsamen Mahlfeier mitteilen.

Ich habe in den vergangenen Jahren hin und wieder verschiedenste christliche Gemeinschaften in Kaiserslautern besucht, von den evangelischen Schwesterkirchen über verschiedene Freikirchen bis hin zu sogenannten "Sekten". Ich fand viel Verbindendes, auch vieles, was mir skurril und abwegig erschien und manches Trennende, das fast unüberwindlich erscheint. Nach meiner Beobachtung schließen sich viele christliche Gemeinschaften ideologisch und organisatorisch ein und damit gewissermaßen auch die anderen aus. Das betrifft aus meiner Sicht leider auch die katholische Kirche. Als ich an einem Abend in der KHG von meinen Erfahrungen berichtete, musste ich feststellen, dass von den Anwesenden außer mir kaum jemand je in einem nicht-katholischen Gottesdienst gewesen war, nicht einmal in einem der evangelischen Landeskirche. Ich spüre, dass auch an der Basis Ökumene vielfach kaum ernsthaft als ein Weg zur Einheit verstanden wird, so wie auch das Engagement für "Ökumene" im Sinne einer gerechten Welt für alle mir oft keinen wirklichen Veränderungswillen erkennen lässt. Das spiegelt aber meines Erachtens nur die relative spirituelle Verwahrlosung in den großen Kirchen wieder.

Aus meiner Sicht ist die Spaltung der Christenheit ein großes Hindernis für das Reich Gottes. Ungeachtet der unterschiedlichen Gemeinschaftsstrukturen und verschiedenen Bibelinterpretationen muss das Bewusstsein für das Einende, für Christus und die frohe Botschaft vom Leben in Fülle, wachsen. Ich freue mich über jeden Versuch von Christen und Christinnen (auch das Christfest in Speyer), diese tiefe Einheit trotz der Vielfalt oder sogar "in der Vielfalt" zu suchen. Für mich sind die Zusage "Wo zwei oder drei..." (egal aus welcher Kirche) und das eucharistische Mahl hervorragende Möglichkeiten, Ökumene auf solider Basis schon zu leben und zugleich in einem umfassenderen Sinne erst auf den Weg zu bringen. Wenn die Basis sich durch inspirierte Praxis christlicher Gemeinschaft mehr und mehr aufeinander zu bewegt, werden die darüber errichteten Strukturen schließlich auch nicht mehr weit voneinander entfernt sein. Welche Dimensionen das von Christus eingesetzte Gedächtnismahl letztlich in Gänze umfasst, wird vermutlich bis zur Vollendung des Reiches Gottes das "Geheimnis unseres Glaubens" bleiben. Kaum übersehbar ist jedoch aus meiner Sicht, dass es zur Besinnung auf Christus und zur Erfahrung christlicher Gemeinschaft gestiftet wurde. Es ist eine Feier unter Freunden, eine besonders herausgehobene Versammlung von "zwei oder drei" oder vielen im Geiste Jesu. Mit der Verkirchlichung des christlichen Glaubens sind verschiedene Ritualisierungen und gewissermaßen "Standardisierungen" dieses Mahls entstanden, die vielleicht innerhalb der einzelnen Kirchen Gemeinschaft fördern mögen, aber leider zugleich gemeinsame Mahlfeiern anscheinend zu einem Problem machen.

Ich selbst nehme wie selbstverständlich an den Abendmahlsfeiern meiner evangelischen Brüder und Schwestern teil und lade auch Bekannte aus anderen Konfessionen zur vollen Teilnahme an der katholischen Messe ein. Ich kenne die Haltung der Kirche dazu kaum, und ich würde mir wünschen, dass in jedem Gottesdienst am Anfang jeweils darauf hingewiesen wird, wie man sich gegenüber der Teilnahme "anderer" Christen verhält. Auch wenn die Mahlgemeinschaft (noch) nicht ausdrücklich befürwortet würde, wäre es doch schön, wenn sich auf diese Weise alle zur Mitfeier des Gottesdienstes eingeladen fühlten ...

Nun zu der viel beachteten ökumenischen Mahlfeier auf dem Katholikentag in Hamburg. Ich war selbst nicht auf dem Katholikentag, aber ich hätte sehr gerne an dieser Feier teilgenommen. Nach einigen persönlichen Berichten, die ich bekam, war es ein sehr gelungener und verbindender Gottesdienst gewesen. Ich habe auch die dort praktizierte Liturgie gelesen und hätte mich darin durchaus wiedergefunden. Den katholischen Pfarrer Hermann Münzel, der zu den Zelebrierenden gehörte, kenne ich persönlich von mehreren Wochenenden der KSJ in Rascheid und weiß, dass er ein sehr warmherziger Mensch ist, der auf einem festen christlichen Fundament steht.

Ich weiß auch, dass es innerkirchliche Spannungen um diese Mahlfeier gab und gibt. Durch die Anlehnung an den Katholikentag wurde diese Feier - sicher von vielen gewollt, aber auch bedauerlicherweise - zu einem Politikum, ja für manche sogar zu einer unakzeptablen Provokation. Ich weiß nicht, ob es für die Ökumene hilfreich oder hinderlich, zu früh oder "überreif" war; wer will dies letztendlich entscheiden? Aber ich bin überzeugt, dass alle OrganisatorInnen, Zelebrierenden und Teilnehmenden nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben und dass Christus unter Ihnen war. Vielleicht passte es (noch) nicht ganz in die katholische Denkwelt, aber es entsprach der Aufforderung Jesu, und der Geist weht schließlich, wo er will, auch außerhalb der katholischen Kirche.

Es wäre schlimm, wenn dieses Ereignis mehr zur Verhärtung beitragen würde, als dass es Wege eröffnet. Ich hoffe zuversichtlich, dass dies nicht der Fall ist. Aber ich bin sehr traurig, dass Sie, Herr Bischof, deswegen Pfarrer Münzel alle Amtshandlungen als katholischer Priester untersagt haben. Im Grunde steht er stellvertretend für sehr viele katholische Christen und Christinnen, auch für viele Pfarrer. Da ich mich in dieser Sache mit ihm sehr verbunden fühle, stellt sich mir die Frage, ob ich selbst eigentlich noch "katholisch" im Sinne meiner Kirche bin, da ich auch so selbstverständlich die Ökumene suche und praktiziere. Ich glaube, dass weniger die umstrittene Mahlfeier ein Hindernis für die Ökumene bedeuten könnte, als viel mehr Ihre bischöfliche Machtdemonstration, die meines Erachtens der Sache nicht angemessen war und nicht meinen Vorstellungen von einem geschwisterlichen Umgang miteinander entspricht. Die Spannungen innerhalb der Kirche sind offensichtlich, aber durch kirchenrechtliche Strafen, so fürchte ich, kommen wir einer Einigung kaum näher. Zwar werden solche Maßnahmen sich am Ende vielleicht tatsächlich als Not-wendig erweisen, dann aber sicher nur in dem Sinne, dass sich das Denken in Kategorien von verordneter Rechtgläubigkeit und Gehorsam gegenüber der Hierarchie dadurch zum wiederholten Male als untauglich und unchristlich erweisen wird.

Herr Bischof, ich möchte Mitglied einer Kirche sein, in der der Heilige Geist sich frei entfalten kann. Ich bitte Sie, möglichst bald die Sanktionen gegen Pfarrer Münzel zurückzunehmen und weiterhin geduldig eine Verständigung unter Brüdern anzustreben. Wenn dies aus Gründen des Kirchenrechts unmöglich sein sollte, bitte ich Sie, sich für eine entsprechende Änderung des Kirchenrechts einzusetzen. Bitte suchen Sie mutig und in Liebe einen Weg zur Einheit der Christen in geschwisterlicher Gemeinschaft vor Gott!

Mit freundlichen Grüssen
Matthias Kaldenbach


KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche", Bistumsgruppe Paderborn
c/o Berthold Zeppenfeld, Unter den Eschen 8, 59872 Meschede

Meschede, den 09.06.2000

Herrn Bischof
Dr. Hermann Josef Spital
Liebfrauen-Straße 1
54290 Trier

Suspendierung von Pfarrer Hermann Münzel

Sehr geehrter Herr Bischof Spital!
Im Namen der Bistumsgruppe Paderborn der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" protestiere ich energisch gegen die Suspendierung von Pfarrer Hermann Münzel, dem Sie, wie wir verschiedenen Veröffentlichungen entnehmen konnten, wegen seiner Beteiligung an einer ökumenischen Mahlfeier am 2.6.2000 in Hamburg bis auf Widerruf alle Amtshandlungen als römisch-katholischer Pfarrer untersagt haben. Die gesamte Bistumsgruppe, darunter auch mehrere Personen, die die ökumenische Mahlfeier am vergangenen Freitag mitgefeiert haben, ist bestürzt über Ihre Entscheidung und fordert Sie dringend auf, diese noch einmal zu überdenken und sie zu widerrufen.

Nach unserer Überzeugung haben Pfarrer Münzel, die drei weiteren Zelebranten und Zelebrantinnen, die IKvu und alle Teilnehmer der Mahlfeier einen wichtigen und richtigen Schritt auf dem Weg zur Einheit der Christen vollzogen, einen Schritt, der seit langem überfällig ist.

Auf uns wirkt Ihre Reaktion und die Kritik einiger Ihrer Amtskollegen wie das Verhalten des Apostels Petrus, als Jesus dem Boot der Jünger auf dem See Gennesaret begegnete. Sie fordern die Einheit der christlichen Kirchen, verlieren aber nach ersten zaghaften Schritten den Mut und das Vertrauen, der Einladung Jesu, der alle Christen an seinen Tisch lädt, zu folgen.

Immerhin hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Karl Lehmann, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der ökumenischen Mahlfeier eine "heilige Ungeduld" attestiert. Wir bitten Sie, Herr Bischof Spital, sich dieser Einschätzung anzuschließen und den mutigen Schritt hin zu einer praktizierten Ökumene, u. U. zwar als ein ungeduldiges Voranschreiten Einzelner zu werten, die aber aus tiefer Überzeugung, ihrem Gewissen folgend und mit den besten Motiven handeln. Das kann nach unserem Verständnis der Botschaft Jesu und seines Auftrags an die Kirchen nicht falsch sein und darf nicht in der von Ihnen vollzogenen Weise sanktioniert werden. Getreu dem Ausspruch: "Die Kirche der Zukunft wird eine Kirche oder keine Kirche sein" unterstützen wir alle ernst gemeinten Schritte, die uns der Einheit der Christen näher bringen und bitten Sie, Ihren Beitrag durch die Widerrufung der Sanktionen gegen Pfarrer Münzel zu leisten.

Mit geschwisterlichen Grüßen
Bert Zeppenfeld


OStR. Mag. Elmar Fuchs
Höfenerstraße 23, A-6600 Wängle
Tel. und Fax: +43 5672 65220
E-Mail:
elmar.fuchs@aon.at

Wängle, den 15.6.2000

Eure Exzellenz, hochwürdigster Herr Bischof Dr. Hermann Josef Spital!

Als interessierter österreichischer Beobachter der Vorgänge in der Nachbarkirche Deutschland darf ich Ihnen herzlich zu dem großen Zugewinn an Bonuspunkten beim Hl. Officium (ehemals Inquisition) des Herrn Kardinal Ratzinger gratulieren. Ihre rasche und entschlossene Reaktion auf das "unbotmäßige" Verhalten des Herrn Hermann Münzel erweist Sie als treuen Diener Ihres Herrn, der im Vatikan thront, und wird Ihrer künftigen Karriere sicher sehr hilfreich sein.

Vielleicht kommen Ihnen die folgenden Sätze bekannt vor, sie sind allerdings nicht dem CIC oder einem der zahlreichen Verbote von irgendeinem vatikanischen Schreibtisch entnommen: "Da baten sie ihn: 'Herr, gib uns immer dieses Brot!' Jesus antwortete ihnen: 'Ich bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.'"

Als einfacher Laie, der kein Theologiestudium absolviert hat, kann ich in diesen Sätzen Jesu keinen Ausschluss irgendwelcher Personen vom Empfang des lebendigen Brotes erkennen, vielmehr ergeht seine Einladung an alle ausnahmslos.

Sie als Fachmann und versierter Kenner der Verordnungen des unfehlbaren Papstes werden mir sicher erklären können, warum die Worte Jesu nicht einfach wörtlich zu nehmen sind.

Allerdings stürzt mich ein anderes Wort Jesu gleich wieder in Zweifel über die sog. Kompetenz von Fachleuten. "In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: 'Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen.'"

Vielleicht könnte dies ein Anlass sein, dass Sie Ihr Selbstverständnis als Bischof überdenken und erkennen, wer Ihr wahrer Herr ist und dass es immer wieder notwendig sein wird, dem "Petrus in Rom" ins Angesicht zu widerstehen.

Da wir morgen Pfingsten feiern und in unseren Kirchen das "Veni creator spiritus" singen, möge der Wunsch gestattet sein, dass der Geist Gottes, der wie ein Sturmwind durch die Herzen der aufnahmebereiten Menschen braust, wenigstens als lindes Lüftchen durch die dicken Mauern und ängstlich verschlossenen Fenster so mancher Bischofspalais dringt, von der Trutzburg Vatikan ganz zu schweigen.

In dieser pfingstlichen Hoffnung grüße ich Sie
Elmar Fuchs


Dr. Michael Schmidt-Salomon, Trier:

Der Heiland, die Hostie und das Prinzip der theologischen Verdauung
Untersuchungen zu einem verbotenen Abendmahl

Es geschah im Juni 2000. In Hamburg. Nicht auf der Reeperbahn, sondern in einer überfüllten Kirche am Rande des Deutschen Katholikentages. Da wagte es Hermann Münzel, seit 40 Jahren Priester der katholischen Kirche, im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes gemeinsam mit einer evangelischen Superintendentin, einem alt-katholischen Pfarrer und einer Bischöfin der tschechisch-hussitischen Kirche "Brot und Wein" zu segnen. Nichts weiter dabei, mag man vielleicht denken. Aber das wäre ein verheerender Irrtum! Der scheinbar harmlose Akt der Ökumene verstößt nämlich gegen Kanon 908 des kirchlichen Gesetzbuches. Eine solche Form der "Interzelebration" ist von Seiten der katholischen Kirche strengstens untersagt.

Der Trierer Bischof Hermann-Josef Spital, der (wie die sogenannte "Doerfert-Affäre" (1) zeigte) seine Aufsichtspflicht im Bistum überaus ernstnimmt (2) erfuhr schon in Hamburg von dem Vergehen seines Untergebenen und fuhr alsbald schweres Geschütz auf: Er entzog dem kritischen Priester "alle Akte der Weihevollmacht" (und ohne diese kann ein katholischer Priester definitiv seinem Beruf, pardon: seiner "Berufung" nicht nachgehen). Für Hermann Münzel, der trotz aller Kritik an der Amtskirche mit Leib und Seele Priester ist, eine schlimme Demütigung.
Warum aber - so müssen wir uns hier fragen - wählte der Bischof ein derart drastisches Strafmaß? Hätte er nicht (wie zuvor im Falle Doerfert) beide Augen zudrücken können? Werfen wir, um diese Frage beantworten zu können, einen kleinen (zugebenermaßen: rein spekulativen) Blick in das Seelenleben des Herrn S. aus T.

Handelte der Bischof aus Rache, List oder Unterwürfigkeit?
Irdische Gründe für die Strafaktion

Von welchen Motiven wurde der ehrwürdige Bischof getrieben? Wir können darüber nicht mit Sicherheit berichten. Doch der Gedanke, dass hier u.a. Rachegedanken eine Rolle gespielt haben könnten, ist nicht abwegig. Vieles spricht dafür, dass Bischof Spital seit langem nur auf eine passende Gelegenheit wartete, um den aufsässigen Hermann Münzel abzustrafen zu können. Denn Münzel, 1935 in Koblenz geboren und bis vor kurzem am Max Planck Gymnasium Trier als Lehrer für Religion, Geschichte und Sozialkunde tätig, war ein ständiger Unruhestifter im Schafstall des Herrn, bekannt dafür, auch heißeste Eisen unerschrocken anzupacken. Er engagiert(e) sich nicht nur in zahlreichen Bürgerinitiativen, sondern auch in der von der Amtskirche nicht gerade hochgeschätzten KirchenVolksBewegung.

Darüber hinaus - und das setzt der Sache gewissermaßen die Krone auf - ist Hermann Münzel Redakteur und Herausgeber der mittlerweile im 33. Jahrgang erscheinenden kritischen katholischen Zeitschrift "Imprimatur". Und was Spital in den letzten Jahren in dieser Zeitschrift lesen durfte, wird ihm kaum gefallen haben! Kaum ein Presseorgan hat Spital je so hart in die Mangel genommen wie "Imprimatur". Rachegelüste wären insofern durchaus verständlich ...

Vielleicht aber handelte der Bischof gar nicht einmal aus blinder Wut, sondern aus nüchternem Machtkalkül - in der Hoffnung, die Imprimatur-Redaktion durch seine Abstrafung beeindrucken zu können. Nun, falls er dies bezweckt haben sollte, es ist ihm ganz und gar nicht gelungen: Imprimatur 4/2000, das Heft, das auf die bischöfliche Strafaktion folgte, legte gleich mit einem fulminantem Editorial los. Unter der Überschrift "Nie war uns ein Bischof so teuer" zeigte der anonyme Verfasser (Münzel?) auf, dass Spital auch heute noch in der ctt "abenteuerliche Spitzengehälter" zahlen lässt. (3)

Möglicherweise aber - das sei fairer Weise eingestanden - tun wir dem verehrten Bischof mit solchen Spekulationen bitter unrecht. Es könnte sein, dass der (im Bundesdurchnitt ja als eher liberal geltende!) Bischof selbst den kritischen Priester gar nicht so hart bestrafen wollte, dass er vielmehr durch seine Amtskollegen unter Druck gesetzt wurde, endlich für Ordnung in seinem maroden Bistum zu sorgen. Konnte Spital also im Fall Münzel die Augen nicht mehr zudrücken, weil er sie bereits in der Vergangenheit allzu fest geschlossen hatte? Strafte Spital den aufsässigen Münzel nur deshalb so rigoros ab, weil er nach all den Irrungen und Verwirrungen der jüngsten Vergangenheit einfach nicht den Schneid hatte, sich noch einmal schützend vor einen Untergebenen zu stellen? Auch das ist nicht völlig ausgeschlossen.

Weniger irdische Gründe für die Strafaktion:
Ein Exkurs über den Heiland, die Hostie und das Prinzip der theologischen Verdauung

So plausibel all diese Erklärungen auch sind, können wir es uns in der Analyse der "Affäre Münzel" wirklich so leicht machen? Sollte denn der überaus ehrenwerte Bischof wirklich von den gleichen niederen Motiven angetrieben werden wie jeder andere mächtige Taugenichts? Nein, solch eine Ungeheuerlichkeit können und wollen wir nicht glauben! Wenden wir uns also den theologischen Aspekten der Angelegenheit zu:

Auch wenn einige KritikerInnen dies sicherlich kaum für möglich halten: das hohe Strafmaß, das Bischof Spital dem Priester Münzel aufbrummte, kann schlicht und ergreifend darin begründet sein, dass der Bischof ein redlicher katholischer Christ ist. Denn im Fall Münzel ging es nicht - wie im Fall Doerfert - um ein paar läppische Millionen, sondern um das "EWIGE SEELENHEIL"! Um dies verstehen zu können, muss man sich vergegenwärtigen, was beim heiligen Sakrament der Eucharistie, dem sogenannten "Abendmahl", nach katholischer Überzeugung geschieht:

Ausgangspunkt der Zeremonie ist zunächst nichts Besonderes, eine schnöde Oblate, die ohne weiteres auch als Boden einer Kokosmakrone enden könnte.(4) In der Kirche unterliegt diese Oblate aber einem bemerkenswerten Verwandlungsprozess (die Kirche spricht hier von "Transsubstantiation" (5)). Während der Priester sein Verslein spricht, wird aus der vegetarischen Oblate eine fleischhaltige Hostie, die zwar weiterhin verdächtig nach Oblate schmeckt, in Wirklichkeit aber - Verzeihung, aber so will es nun mal die katholische Glaubensüberzeugung! - aus den Innereien, pardon: dem Leib des Heilands besteht. (6) Dies allein wäre schon einigermaßen verwunderlich, aber es kommt noch besser: Nachdem die Christen in einem rituell-kannibalischen Akt (7) (den sie "Kommunion" nennen) Jesu Leib verspeist haben, scheint sich der Prozess der Sakralisierung der Hostie im Magen der Christen wieder umzukehren. Aus Jesu Leib resultieren hundertprozentig säkulare Ausscheidungen (8), was im übrigen höchst vorteilhaft ist, da Sie diese später ohne Bedenken mit der Wasserspülung Ihres Klosetts entsorgen können. (Würden Sie das Gleiche mit einer Hostie machen, würden Sie durch die infame Verletzung eines heiligen Sakraments eine schlimme Sünde begehen...)

Dies alles - ich gebe es zu - mag für aufgeklärte LeserInnen im ersten Moment wie eine allzu billige Polemik klingen. Dennoch: Ich treibe hier keine Scherze mit der Religion. Die in diesem Artikel dargelegten theologischen Sachverhalte entsprechen - so tragisch-komisch sie auch wirken - Punkt für Punkt den real existierenden Glaubensüberzeugungen des Katholizismus. Auch wenn man es sich für den Geisteszustand der Gläubigen gerne anders wünschen würde: der Verwandlungsprozess der Oblate ist definitiv NICHT symbolisch gemeint! Ganz im Gegenteil! Die andächtig verzehrte Hostie ist für den gläubigen Katholiken wahrhaftig, wirklich und wesentlich Jesu Leib!

Auch der 1992 neu herausgegebene Katechismus der Katholischen Kirche hat selbstverständlich nicht an dieser fundamentalen Glaubensüberzeugung des Katholizismus gerüttelt. Vielmehr beruft er sich - wie all die Jahrhunderte zuvor - auf das maßgebende Konzil von Trient, das - zumindest im Bereich des Katholizismus - für alle Zeiten den Sachverhalt klärte: "Wer leugnet, dass im Sakrament der heiligen Eucharistie wahrhaft, wirklich und wesentlich der Leib und das Blut zugleich mit der Seele und mit der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und folglich der ganze Christus enthalten ist, und behauptet, er sei in ihm nur wie im Zeichen, im Bild oder in der Wirksamkeit, der sei ausgeschlossen." (9)

Man sollte die Bedeutung der hier getroffenen Festlegung für die Kirchengeschichte auf keinen Fall unterschätzen: Über die Frage der Hostienbeschaffenheit ist in der Geschichte des Christentums immer wieder heftig gestritten worden und viele Menschen haben im Zuge dieser Auseinandersetzungen ihr Leben verloren.

Auch Luther, der Reformator, hielt (im Gegensatz zu Zwingli und Calvin (10)) an der substantiellen Verwandlung des Brotes fest. Allerdings - und das ist der feine Unterschied - hob er das Sakrament der priesterlichen Weihe auf. Dies hat u.a. zur Folge, dass im lutherischen Verständnis nicht mehr der Priester für die Verwandlung der Oblate in Jesu Leib verantwortlich ist, sondern der liebe Gott höchstpersönlich. Hier also stoßen wir (das ist ernstgemeint, kein Witz!) auf den theologischen Urgrund, warum nach katholischem Kirchenrecht ökumenische Abendmahlfeiern mit Protestanten (im Gegensatz zu ökumenischen Wortgottesdiensten) strengstens untersagt sind. Aus dem gleichen Grund sind übrigens Abendmahlfeiern mit Vertretern der Ostkirche erlaubt, denn diese halten am Sakrament der Priesterweihe fest (11). (Orthodoxe Christen glauben also wie ihre katholischen GlaubensgenossInnen an die Brotverwandlungskünste ihrer Priester!)

Kommen wir nun auf den Fall Münzel zurück. Unsere Analyse des Hostienmysteriums hat gezeigt: Die katholische Amtskirche kann Hermann Münzel mit solider theologischer Begründung vorwerfen, dass er zusammen mit "Scharlatanen" aufgetreten ist, denn eine protestantische Superintendentin besitzt nun einmal nach katholischer Überzeugung nicht die für die heilige Eucharistie notwendige Fähigkeit zur Brotverwandlung (Transsubstantiation, s.o.). Merke: Lutherische Protestanten mögen zwar glauben, den wahrhaftigen Leib Jesu zu verspeisen, eigentlich aber kauen sie nach Ansicht der Katholiken nur auf wertlosen, vegetarischen (also gänzlich jesusfreien) Oblaten herum.

Dies wiederum hat nach katholischer Auffassung schreckliche Folgen, ist doch die Kommunion - wie der aktuelle Katechismus der Katholischen Kirche sagt - "Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens", denn - ich zitiere - "in diesem Sakrament vereinen wir uns mit Christus, der uns an seinem Leib und seinem Blut teilhaben lässt, damit wir einen einzigen Leib bilden." (12) Mehr noch: "Durch diese Liebe, die die Eucharistie in uns entzündet, bewahrt sie uns vor zukünftigen Todsünden. Je mehr wir am Leben Christi teilhaben und je weiter wir in seiner Freundschaft fortschreiten, desto geringer wird die Gefahr sein, sich durch eine Todsünde von ihm zu trennen." (13)

All dies setzte Hermann Münzel also aufs Spiel, als er sich auf das Abenteuer eines ökumenischen Abendmahls einließ. Indem er gemeinsam mit einer Protestantin das Brot segnete, setzte er die Gläubigen der Gefahr aus, statt Jesu Leib wertloses Gebäck zu vernaschen! Dadurch verhinderte er nach katholischer Überzeugung die Vereinigung mit dem Leib Christi, ja er nahm fahrlässig in Kauf, dass sich die überrumpelten Gläubigen durch eine Todsünde von Jesus trennen könnten!! Musste der Bischof hier nicht entschieden eingreifen? Konnte er da noch die Augen vor dem Unheil verschließen?

Selbstverständlich konnte er das nicht! Und so rettete der wackere Bischof aus Trier die Gemeinschaft der Gläubigen und letztlich uns alle (wer lebt schon gerne in Gesellschaft von Todsündern?), indem er - trotz der zu erwartenden Medienschelte - dem ketzerischen Münzel die Grenzen aufzeigte. Wir sehen: Manchmal muss ein (Kirchen-)Mann eben tun, was ein (Kirchen-)Mann tun muss...

Fazit

Fassen wir nun abschließend unsere Überlegungen zusammen: Ist Bischof Hermann-Josef Spital ein rachsüchtiger Schurke, der die Gelegenheit nutzte, um dem ihm auf Gedeih und Verderb ausgelieferten Hermann Münzel öffentlich zu demütigen? Ist er ein machtgieriger Intrigant, der alle Register zieht, um kritische Geister mundtot zu machen? Ein Mann ohne Rückgrat, der sich sklavisch dem autoritärem Regelwerk der katholischen Kirche unterwirft? Oder ist er ein guter christlicher Hirte, der glaubt, er und die Seinen hätten die magische Gabe, Gebäck in Jesu Leib zu verwandeln, um dadurch die Menschheit zu retten?

Möglicherweise ist er alles zugleich: ein rachsüchtiger, machtgieriger und autoritätsfixierter katholischer Brotverzauberer. Nun, wenn dem so wäre, so hätte er wahrlich das Beste aus seinen Talenten gemacht: Er ist Bischof der alleinseligmachenden, katholischen Kirche.

P.S. Hermann Münzel hat sich - wer kann es ihm verdenken? - dem Druck gebeugt und seine "Verfehlung" bedauert. Damit durchlitt er im Kleinen, was Galileo Galilei vor rund vier Jahrhunderten in weit massiverer Form durchlitten hat. Wir lernen daraus, dass die Kirche sich im Kern nicht wirklich verändert hat. (14) Noch immer stellt sie ihren prämodernen Hokuspokus rigoros über die Freiheit des Geistes. Daran wird sich aller Voraussicht nach auch in Zukunft wenig ändern.(15) Friedrich Nietzsche hatte wohl Recht, als er in "Jenseits von Gut und Böse" schrieb: "Nicht ihre Menschenliebe, sondern die Ohnmacht ihrer Menschenliebe hindert die Christen von heute, uns - zu verbrennen."

Anmerkungen

1) Hans-Joachim Doerfert, ehemaliger Geschäftsführer der Caritas-Trägergesellschaft-Trier und Skatbruder des Trierer Bischofs, war verantwortlich für den wohl größten Finanzskandal, in den die Katholische Kirche in Deutschland verwickelt war. Ihm werden Untreue, Betrug, Bilanzmanipulation und Geldwäsche vorgeworfen (vgl. MIZ/4/99).

2) vgl. Katz-Jahrbuch 2000, S. 34ff.

3) vgl. Imprimatur 4/2000, S.159ff.

4) Zugegeben: Ganz stimmt das nicht. Für den Gottesdienst vorgesehene Oblaten werden in speziellen katholischen Backstuben hergestellt und sind auf dem freien Markt nicht erhältlich. Insofern werden sie wohl auch kaum das traurige Schicksal erleiden müssen, als gemeine Kokosmakrone zu enden...

5) siehe Katechismus der Katholischen Kirche. München 1992, S. 378

6) vgl. hierzu auch Theo Logisch (1998): Das ist euer Glaube! Neustadt, S.231ff.

7) Achtung, Zensoren! Dies ist keine originelle, blasphemische Umschreibung der Kommunion, sondern eine altbekannte ethnologische Klassifikation. Bereits Sigmund Freud zeigte die Parallelen zwischen der christlichen Kommunion und dem rituellem Kannibalismus des Totem-Mahls auf (vgl. Freud, Sigmund (1975): Der Mann Moses und die monotheistische Religion: Schriften über die Religion, Frankfurt.) Darüber hinaus wies A.C. Blanc 1961 in einer Arbeit über den rituellen Kannibalismus des frühen Menschen darauf hin, dass rituell-kannibalistische Vorstellungen auch in späteren Kulturstufen von Homo sapiens von großer Bedeutung waren. So habe nicht zuletzt der archaische Glaube an das angeblich kraftspendende rituelle Verzehren von Toten dem Christentum im dionysisch geprägten Griechenland zur Durchsetzung verholfen. Ich zitiere: "Schließlich dürfte auch der Hinweis von Bedeutung sein, dass der Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther die reale Gegenwart von Christi Fleisch und Blut im eucharistischen Ritual mit besonderem Nachdruck betont. Es war dies ein wirksames Mittel, das Vordringen und die Annahme des Christentums und seines Hauptrituals in Griechenland zu fördern..." (zitiert nach Fromm, Erich (1989): Anatomie der menschlichen Destruktivität. Erich Fromm Gesamtausgabe, Band VII. München, S.161).

8) Den Hinweis auf das "Hostienverdauungsmysterium" verdanke ich Gottfried Gummerer (vgl. Gummerer (2000): Weltbild ohne Dogma. Trier, S.49)

9) zitiert nach Theo Logisch, S. 231

10) Zwingli und Calvin entfernten sich noch stärker vom katholischen Glauben. Für sie findet die Verwandlung des Brotes nur symbolisch statt.

11) vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, S. 384

12) a.a.O., S. 366.

13) a.a.O., S. 383

14) siehe hierzu den Aufsatz des ehemaligen Theologieprofessors Hubertus Mynarek: Giordano Bruno und Galileo Galilei oder: Wie die Kirche die Wissenschaft verfolgt. In: Materialien und Informationen zur Zeit (MIZ) 3/2000.

15) vgl. Michael Schmidt-Salomon (1999): Erkenntnis aus Engagement. Aschaffenburg, S. 214ff.

Quelle: http://home.t-online.de/home/M.S.Salomon/muenzel1.htm


"Ich bin nicht imstande, die Zerreißprobe zwischen Glauben und Kirchenrecht auszuhalten..."

Hermann Münzel im Gespräch mit Michael Schmidt-Salomon

Schmidt-Salomon: Als Sie sich auf das "Abenteuer" einer ökumenischen Eucharistiefeier einließen, haben Sie eine solch scharfe Gegenreaktion der Amtskirche erwartet?

Münzel: Die scharfe Gegenreaktion der Amtskirche hat mich tatsächlich überrascht, auch zornig gemacht. Denn ökumenische Mahlfeiern sind lange schon guter Brauch: Christen laden sich gegenseitig zum Gottesdienst ein. Zum Beispiel hat der katholische Regionaldekan Josef Schönborn am Reformationsfest 1999 in der Kirche zum Erlöser (die Trierer sagen "Basilika") zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Ulrich Dann den evangelischen Hauptgottesdienst gehalten, in gottesdienstlicher Kleidung, wie sie bei katholischen Priestern üblich ist; der katholische Pfarrer hat dabei das evangelische Abendmahl ausgeteilt. Das war ja keine kleine unbedeutende, sondern eine sehr zentrale gottesdienstliche Feier, - man kann sagen: einer der evangelische Hauptgottesdienste des ganzen Jahres, hundert Meter Luftlinie vom katholischen Dom entfernt. Und das will der katholische Bischof nicht gewußt haben?

Solche Beispiele (für das wünschenswerte Zusammenrücken der Christen) kann ich viele aufzählen, hier nur noch eins: 1998 war in Mainz Katholikentag - damals hat der katholische Priester Greinacher aus Tübingen (das ist ein ziemlich bekannter Professor) an genau derselben Feier mitgewirkt, für die ich jetzt in Hamburg bestraft wurde, - im Falle Greinacher hat kein Hahn danach gekräht. Um es kurz zu machen: ich durfte annehmen, dass die hiesige Amtskirche nicht zur schärfsten Sanktion greift, um mich zu maßregeln.

Schmidt-Salomon: Ein Großteil der Öffentlichkeit wird die Aufregung über das geteilte Abendmahl nicht verstehen. Was sind die theologischen Hintergründe, die das konfessionsübergreifende Verzehren einer Oblate zu einem ketzerischen Akt werden lassen?

Münzel: Ihre Frage kann ich so nicht stehenlassen: es handelt sich nicht um das "konfessionsübergreifende Verzehren einer Oblate", sondern um das Teilen von Brot. Es würde uns besser gehen, wenn die Menschen ihr Brot miteinander teilen würden, jene in den Industrie-Ländern mit denen, die im Elend leben und durch ihre kapitalistischen "Verbündeten" ausgebeutet werden; jene die die Börsennachrichten herunterbeten mit denen, die auf der Straße liegen.

Schmidt-Salomon: Dem stimme ich natürlich sofort zu. Aber in Hamburg ging es ja nicht um eine mildtätige Verteilung von Nahrungsmitteln, sondern um ein religiöses Ritual. Wenn Sie in Hamburg Käseschnittchen an Obdachlose verteilt oder mit der Superintendentin der evangelischen Kirche Hannovers - sagen wir mal - ein Schinkenbrot zu sich genommen hätten, wäre Bischof Spital sicherlich nicht eingeschritten. Können Sie die theologischen Bedenken ihres Vorgesetzten nicht nachvollziehen?

Münzel: Das Abendmahl ist nicht nur ein steifes Ritual, sondern hat auch ästhetische, poetische, mit einem Wort: symbolische Aspekte, - über die ich mich hier nicht auslassen kann. Nun haben sich vor einigen Jahrhunderten die abendländischen Christen zerstritten - Stichwort: Martin Luther. Die getrennten Kirchen definierten damals ihren Wahrheitsbesitz gegeneinander u.a. mit der Messe; seitdem ist das Tischtuch zerschnitten. Inzwischen hat das Kirchenrecht noch immer nicht gemerkt, dass das Tischtuch nicht mehr zerschnitten ist. Die Christen haben ihre Verwandtschaft neu entdeckt, aber das Kirchenrecht hinkt hinterher. Und Sie dürfen jetzt unterstellen, dass die Christen von heute nicht konfessionsübergreifend nur Oblaten verzehren wollen.

Schmidt-Salomon: Sie haben, nachdem Sie von Herrn Bischof Spital öffentlich angegriffen wurden, Ihre Teilnahme an der gemeinsamen Abendmahlfeier bedauert. Bedauern Sie mittlerweile Ihr Bedauern? Wären die Folgen für Sie unerträglicher gewesen als der demütigende Akt einer öffentlichen Entschuldigung?

Münzel: Vielleicht glauben Sie mir, dass ich mich nicht unterworfen oder irgendwas revoziert habe, was mir mein Rückgrat verbiegt. Einige in der Kirchenführung hätten mich gern "ausgeschwitzt", weil sie mich für lästig halten. - Meine Distanzierung von der Ökumenischen Mahlfeier bedeutet: Ich habe mich jetzt einem Paragraphen des Kirchenrechts unterworfen, sonst nichts.

Bedauert habe ich, dass ich hätte wissen müssen oder ahnen können, dass der Trierer Bischof mich bestrafen wird, wenn ich gegen das Kirchenrecht verstoße. Gesetzesverstöße haben Folgen, und ich bin nicht imstande, die Zerreißprobe zwischen Glauben und Kirchenrecht auszuhalten. Sie wissen sicher, dass mich der Bischof nicht "öffentlich angegriffen", sondern Knall auf Fall - ohne ein Wort mit mir zu sprechen - aus dem Dienst entlassen hat. Ich bedauere das.

Schmidt-Salomon: Von außen betrachtet, erweckt der Vorfall den Eindruck, die Amtskirche habe nur auf einen Anlass gewartet, um Sie endlich abstrafen zu können. Meinen Sie nicht auch, dass die Schärfe der Gegenreaktion auch darin begründet ist, dass Sie Mitarbeiter und Herausgeber der kritischen Kirchen-Zeitschrift "imprimatur" sind? Wollte sich Bischof Spital vielleicht an Ihnen rächen? Immerhin haben Sie ihn (u.a. im Fall "Doerfert") immer wieder scharf angegriffen...

Münzel: Es kann sein, das Sie Recht haben: meine Mitarbeit an "imprimatur" gefällt dem Bischof nicht. Bedenken Sie: imprimatur wird fast ausschließlich von Kirchenbediensteten herausgegeben und geschrieben, seit 33 Jahren. Die Kritik an unserer katholischen Kirche ist scharf, wenn auch keineswegs destruktiv. Sie dürften das als Beamter irgendeines Ministeriums nicht machen, ohne rauszufliegen; in dieser Hinsicht steht die Kirche nicht so schlecht da. Ob sich jetzt Spital an mir rächt? Ich weiß es nicht, ich glaube es nicht.

Schmidt-Salomon: Eine andere Frage: Sie sind ein wichtiger Mitstreiter der kritischen Kirchenbewegung "Wir sind Kirche". Glauben Sie wirklich, dass die Kirche reformierbar ist? Woher nehmen Sie diesen Glauben?

Münzel: Die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" hat keineswegs (nur) Papst und Bischöfe zu Adressaten: vielmehr realisiert sie im kleinen Kreis, was Papst und Bischöfe nicht wissen (dürfen) und was sie verbieten würden, wenn sie es denn könnten. Insofern ist die Kirche immer schon dabei, sich zu reformieren. Man muss nicht auf Bischöfe warten - sie sind fast immer nur Nachhut.

Schmidt-Salomon: Nun, das sehen Ihre direkten Gegenspieler, die fundamentalistischen Bußgurtfetischisten des Opus Dei, ganz ähnlich. Auch sie denken, gewissermaßen als Avantgarde die Zukunft der katholischen Kirche bestimmen zu können. Nach Auskunft des prominenten Opus Dei Aussteigers Vladimir Felzmann formulieren diese heute bereits offen ihr Siegessicherheit: "In 20, 30 Jahren wird das einzige, was von der Kirche bleibt, Opus Dei sein. [...] Denn wir haben den klaren, sicheren, orthodoxen Blick in bezug auf alles. Der Gründer ist ja von Gott erwählt worden, die Kirche zu retten. Deshalb ist Gott mit uns." Glauben Sie wirklich, dass sich die KirchenVolksBewegung gegen solch siegessichere und mächtige Gegner durchsetzen wird?

Münzel: Ich antworte mit einem Vergleich. Mich erinnert das Opus Dei immer an den CIA: auch er arbeitet im Untergrund, hat viel Geld, wenig Moral, zieht heimlich Strippen und beeinflusst die Politiker... und fährt trotzdem immer wieder gegen die Wand. Zur Gegenwehr empfehle ich Gegenaufklärung und Lächerlichmachen. Wir lachen die Macht-Katholiken in ihren rauschenden Gewändern aus, das trifft. Das Opus Dei kann nämlich alles, nur nicht die Menschen erreichen; mit anderen Worten: es ist ohnmächtig...

Quelle: http://home.t-online.de/home/M.S.Salomon/muenzel2.htm


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