| Initiative
Kirche von unten (IKvu) Oscar-Romero-Haus Heerstraße 205 53111 Bonn Fon: 0228 / 692165 |
![]() |
+++ pressemitteilung +++
Streitlustig, kompetent,
humorvoll
Berliner Kongress der Initiative Kirche von unten
klärt erfolgreich Perspektiven des Netzwerks
Oscar-Romero-Haus/Bonn, den 02.04.06.
Der Jubiläumskongress des Ökumenischen Netzwerks Initiative Kirche von unten (IKvu),
der heute mit einem Abendmahlsgottesdienst in der Berliner Heilig-Kreuz-Kirche
zu Ende ging, wird abschließend als voller Erfolg gewertet.
"Das Ziel des Kongresses war es, Leitlinien für unsere weitere Arbeit zu
erarbeiten - wir haben aufmerksam zugehört und gehen als Leitungsteam mit
klaren inhaltlichen Aufträgen aus dieser Veranstaltung", so
IKvu-Sprecherin Verena Mosen (30).
Auch die Kooperation von ESG, LESERINITIATIVE PUBLIK E.V. und der gastgebenden
Gemeinde Heilig-Kreuz-Passion war erfolgreich. "Wir konnten hier gemeinsam
einen Diskussionsraum in einer der interessantesten Kirchen Berlins eröffnen -
diese Idee werden wir weiterverfolgen, z.B. in München.", kündigte
IKvu-Sprecher Dr. Uwe-Karsten Plisch (41) an.
Insgesamt über hundert TeilnehmerInnen diskutierten von Freitagabend an
zentrale Themen für die künftige IKvu-Arbeit, darunter als größte Gruppe
etwa 20 StudentInnen aus den Evangelischen StudentInnengemeinden.
Eröffnet wurde der Kongress von Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), die in
grundsätzlichen Erwägungen zum Verhältnis von Ethik und Politik die Risiken
politischer Arbeit reflektierte. Die Grünen und die IKvu seien im selben Jahr
1980 gegründet worden und hätten insbesondere in den 80er Jahren eng
zusammengearbeitet. Bis heute sei die Partei den basiskirchlichen Bewegungen in
der gemeinsamen menschenrechtlichen Arbeit verbunden, sei es im
Antidiskriminierungsengagement oder in der Kirchenasylarbeit.
Eines der zentralen Themen des Kongresses war die zynische Aushöhlung des
Schutzes für Flüchtlinge, ihre Illegalisierung und die unmenschliche
Abschiebepraxis von langjährig hier "geduldeten" Mitbürgern - von
Kindern, von kranken und traumatisierten Personen. "Christliche Gemeinden
im ganzen Land richten Gästewohnungen ein, um Flüchtlingen Schutz gegen
Unrecht zu gewähren, das von unserem Staat ausgeht.", so Fanny Dethloff,
Vorsitzende der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche, zu
deren Trägerorganisationen die IKvu gehört.
Ebenfalls intensiv diskutiert wurde die Gewöhnung der deutschen Gesellschaft an
Kriegseinsätze im Ausland und das skandalöse Versagen der Evangelischen Kirche
in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in der
Friedensthematik: Während der Theologe Peter Bürger die "Staatshörigkeit"
der deutschen Kirchen bei Kriegseinsätzen bis in die Gegenwart aufzeigte und
die IKvu aufforderte, hier in Zukunft wachsamer zu sein, informierte die
Theologin Claudia Haydt von der Informationsstelle Militarisierung (imi) in Tübingen
über die Kriegsimplikationen in der EU-Verfassung. Diese Beiträge knüpften an
die zentrale Rolle der IKvu in der Friedensbewegung der 80er Jahre an.
Prof. Dr. Heinrich Grosse vom Sozialwissenschaftliches Institut der EKD
(Hannover) stellte Martin Luther King vor: Grosse, der den christlichen Bürgerrechtler
in seiner Studienzeit in den USA kennen gelernt hatte und in der Bundesrepublik
zu den wichtigen Autoren über dessen Wirken gehört, betonte vor allem seinen
Einsatz gegen Armut und den Vietnamkrieg in den letzten Jahren vor seiner
Ermordung. Man dürfe sich King nicht zu einem pflegeleichten "ökumenischen
Heiligen" zurechtbiegen, sondern müsse ihn in seiner christlichen
Radikalität ernstnehmen - gerade als Kritiker gegen das Unrecht innerhalb eines
demokratischen Staates und der eigenen Kirche.
An den großen deutschen Theologen und Gründungsvater der IKvu Karl Rahner SJ
erinnerten seine Weggefährten Dr. Ferdinand Kerstiens und Dr. Klaus Peter
Fischer: Seine von der römischen-katholischen Kirchenleitung Anfang der 70er
Jahre vollkommen ignorierten Reformvorschläge wurden als immer noch aktuell
intensiv und ökumenisch diskutiert. Die Reformierbarkeit der Kirchen wurde
jedoch allgemein als wenig realistisch eingeschätzt. Umso wichtiger sei es,
sachorientiert und auf hohem Niveau kompetent und basisorientiert zu arbeiten,
auch im Hinblick auf den Ökumenischen Kirchentag 2010 in München die Ökumene
von unten zu forcieren.
Äußerst kontrovers diskutierten Dr. Gesine Lötzsch (Die Linkspartei.PDS) und
Torsten Hilse (SPD) mit den TeilnehmerInnen. Während Hilse die mangelnden
Einflussmöglichkeiten der Politik auf wirtschaftliche Entscheidungsprozesse
beklagte und Widerspruch für sein Eintreten für den Religionsunterricht an
Berliner Schulen erntete, musste Lötzsch scharfe Kritik an den nationalen Tönen
Oskar Lafontaines einstecken.
Weitere ReferentInnen waren Dr. Elisabeth Raiser, Mitglied im Präsidium des
Evangelischen Kirchentages (DEKT), Ilona Schmidt, (ESG Bochum) und Philipp Peter
Müller (ESG Frankfurt/Main).
Padre Gerardo Pöter OP aus El Salvador berichtete zum Abschluß des
Tagungsteils von seiner Gemeindearbeit in dem Stadtteil Ciudad Credisa in San
Salvador: Der Dominikaner gehört zu den Gründungsmitgliedern der IKvu und erklärte
auf diese sehr persönliche Weise den TeilnehmerInnen seine Erwartungen und Wünschen
an ihr zukünftiges christliches Engagement.
Musikalisch begleitet wurde der Kongress von der afro-amerikanischen Sängerin
Flois Knolle-Hicks sowie vom Afrika-Chor der ESG Hannover.
***
Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 37
Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der
Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der
Befreiungstheologie.
***
Kontakt:
Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer
Tel: 0179 524 40 75
Verena Mosen (CfS),
IKvu - Sprecherin
Tel: 0170 73 26 06 8
Dr. Uwe-Karsten Plisch (ESG),
IKvu - Sprecher
Tel: 030 44 67 38 11
email: presse@ikvu.de
http://www.ikvu.de
Initiative Kirche von unten (IKvu)
Oscar-Romero-Haus, Heerstraße 205, 53111 Bonn