Initiative Kirche von unten (IKvu)
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Kirche lebt von unten

+++ pressemitteilung +++

"Eine Chance vertan - dennoch Respekt vor dem Mut der Frauen"
Initiative Kirche von unten zur "Priesterinnenweihe" am 29. Juni 2002

BONN, 30.06.2002. Seit ihrer Gründung 1980 setzt sich die Initiative Kirche von unten (IKvu) für eine demokratische Reform der römisch-katholischen Kirche ein. Dazu gehört als einer der wichtigsten Punkte, dass jede Diskriminierung von Frauen, verheirateten Männern, Schwulen und Lesben durch Verweigerung der Weihe dem Menschenrechtsgrundsatz widerspricht, wonach niemand aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung benachteiligt werden darf.

"Niemand darf wegen des Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden." (Art. 3 GG)

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) setzt im Gehorsam gegenüber der römischen Kirchenleitung der Diskriminierung von Frauen und Mädchen auch in der deutschen Kirche keinen Widerstand entgegen. Deshalb gilt unser Respekt und unsere Anerkennung dem Mut der 7 Frauen, die am vergangenen Samstag nach oft jahrzehntelangem Engagement den Versuch gewagt haben, diese frauenfeindliche Struktur durch einen offensiven Akt des Ungehorsams zu überwinden.

Die Weihe der Frauen wurde innerhalb der Initiative Kirche von unten (IKvu) anfangs mit Sympathie und Solidarität begrüßt, weil sie dafür erstens die theologische Legitimation und zweitens einen hinreichenden Konsens der Gläubigen für gegeben hält. Allerdings mussten wir unsere Unterstützung zurückziehen, als sich abzeichnete, dass das Vorhaben im Alleingang und im Dunstkreis einer Sekte verfolgt wurde.

Durch die Umstände der nun vollzogenen "Weihe": Informationspolitik, Erheben eines "Eintrittspreises", geheimer Charakter des Gottesdienstes, v.a. jedoch das magische Weiheverständnis und die fehlende Seriosität der "Weihebischöfe" sowie die fehlende Abstimmung und Beratung mit den kirchlichen Reformgruppen "Wir sind Kirche" und IKvu wurde am 29. Juni eine große Chance vertan, weite Teile des römischen Katholizismus für dieses Reformanliegen zu bündeln. Ein gemeinsames Vorgehen wäre politisch umso sinnvoller gewesen, als die Zustimmung unter der Mehrheit der praktizierenden Katholikinnen und Katholiken längst nicht mehr in Frage steht.

Leider wurde auch auf die berechtigten Bedenken aus den Kirchen der Ökumene wie der altkatholischen und der protestantischen Kirchen, die das Anliegen der Frauenweihe zweifellos unterstützen, durch dieses Verfahren keine Rücksicht genommen. Als private Lösung nach jahrelangem Engagement mag dieser Weiheakt für die beteiligten Frauen sinnvoll gewesen sein, hilfreich im weiteren Sinn war er nicht.

Trotzdem halten wir es nach wie vor für richtig und wichtig, Frauen, die dazu qualifiziert sind und sich berufen fühlen, den Zugang zum kirchlichen Amt auch mit Hilfe unkonventioneller Wege zu öffnen. Entscheidend ist, dass sie ihren Platz in der Kirche haben und dort ihre Aufgabe suchen. Wir werden auch in Zukunft jeden Versuch unterstützen, wenn auf diese Weise wirkliche Reformen in der Kirche gefördert werden. Solange es Weihen in der jetzigen Form in der römisch-katholischen Kirche gibt, kann uns daran auch kein Kirchenrecht hindern.

Bernd Hans Göhrig,
Bundesgeschäftsführer


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