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+++ pressemitteilung +++

"Keine Frage der Toleranz - DBK nicht auf dem Boden des Grundgesetzes"
IKvu kritisiert Haltung der DBK zum Lebenspartnerschaftsgesetz

BONN, 11.08.2002. Anfang Juni führte der massive Widerstand der römisch-katholischen Kirche zum Scheitern des Anti-Diskriminierungsgesetzes - Ende Juni gebrauchte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) die neu gesicherte Handlungsfreiheit und betonte die Unvereinbarkeit von Lebenspartnerschaften nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz für kirchliche Angestellte.

Die DBK verlässt hier den Boden des Grundgesetzes Art 3 GG und verstößt gegen die ihr durch Art 140 GG eingeräumte Sonderstellung: "Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig INNERHALB DER SCHRANKEN DES FÜR ALLE GELTENDEN GESETZES." Art 137(3) WRV aufs Schändlichste.

Den Kirchen kommt im Bereich der sozialen Dienste in vielen Gegenden der BRD eine Monopolstellung zu. Faktisch liegt daher ein Berufsverbot vor. Da dieser Bereich zudem kaum durch Kirchensteuern, sondern überwiegend durch allgemeine Steuergelder finanziert wird, ist der Missbrauch von Steuergeldern offensichtlich.

"Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass die Durchsetzung des Partikularinteresses einer Religionsgemeinschaft mit diskriminierender Folge noch auf dem Boden des Grundgesetzes steht", so Dr. Eric Leis vom Bundesvorstand der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK).

Die Hierarchen der Kirche werden bald einsehen müssen, dass ihre Maßnahme ebenso menschenfeindlich ist und im Kirchenvolk ein Ärgernis sein wird, wie die Bevormundung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, deren Ehe gescheitert ist und die einen neuen Partner oder eine Partnerin gefunden haben. Es ist absurd, dass die Bischöfe vor allem in dem Augenblick Anstoß nehmen, wo zwei Menschen gleichen Geschlechtes sich gegenseitig versprechen, füreinander die Liebe und Fürsorge zu leben, wie es ihnen jahrelang in der Kirche als Ideal verkündet worden ist.

Anstatt die römische Moral- und Sittenlehre endlich zu prüfen, mit guten Gründen abzulehnen und die Kirche dadurch auch in dieser Hinsicht in den menschenrechtlichen Konsens des Grundgesetzes zu integrieren, macht sich die DBK zum wiederholten Mal zum Handlanger einer diskriminierenden und pseudotheologisch verbrämten Position.

Solange die römische Kirche ihr Handeln bezüglich der Rechte von Lesben, Schwulen und Frauen nicht ändert, bleibt sie eine unsichere Partnerin in einer demokratischen Gesellschaft.

Bernd Hans Göhrig,
Bundesgeschäftsführer


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