Initiative Kirche von unten (IKvu)
Oscar-Romero-Haus
Heerstraße 205
53111 Bonn

Fon: 0228 / 692165
Fax: 0228 / 631226
E-Mail: presse@ikvu.de

Initiative Kirche von unten (IKvu)

+++ pressemitteilung +++

"Verantwortung für heute aus der Erinnerung an Auschwitz"
Ökumenisches Netzwerk "Initiative Kirche von unten" (IKvu) zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

BONN, 27.1.2005. Zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz kritisiert das Ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten" (IKvu) gefährliche Umdeutungen im Erinnerungsdiskurs über den Nationalsozialismus. Zum 10. Mal wird in diesem Jahr am 27. Januar der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Doch die Inhalte dieses Gedenkens verschieben sich zusehends, seitdem in Medien und Publizistik die Bombardierung deutscher Städte und die Besatzungszeit die ursprünglichen Themen der Shoah und des NS-Terrors in den Hintergrund drängen.

"Tendenziell sehen sich Deutsche heute eher als Opfer und vermeiden so die peinliche Frage nach Verantwortung und Schuld. Familiengeschichten und detaillierte Alltagsszenarien aus dem "Dritten Reich" ersetzen die Auseinandersetzung mit dem historischen Fakt, dass die Mehrzahl der Deutschen vom NS-Regime begeistert war oder weggesehen hat, es also erst ermöglicht hat", erläuterte Bernd Hans Göhrig als Bundesgeschäftsführer der IKvu.

Die geistige Grundlage dieses veränderten Umgangs mit dem NS sei die Überzeugung, dass Deutschland sich nach 60 Jahren lange genug damit beschäftigt habe. Die weltweite Anerkennung Deutschlands als starker Partner im internationalen Kontext rechtfertige für viele einen selbstbewussten Patriotismus, unbelastet von der Vergangenheit. "In Kombination mit einem rassistischen Menschenbild wird dieses revanchistische Geschichtsverständnis zum Türöffner für junge Neonazis in die politische Arena, wie die Geschehnisse im Dresdner Landtag zeigen: Die Grenzen zur bürgerlichen Mitte verschwimmen zusehends, man ist wieder gesellschaftsfähig und bedient darin das veränderte Selbstverständnis vieler Deutscher", warnte Göhrig.

Angesichts des schuldhaften Versagens der christlichen Kirchen in der Zeit des Nationalsozialismus ist es heute die Aufgabe gerade auch christlicher Gruppen wie der IKvu, sich einer Umdeutung der Geschichte entgegenzustellen, die die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges und der Shoah gegeneinander aufrechnet.

Kontakt: Tim Schmidt, Pressesprecher
Tel: (030) 25 81 19 19
mobil: 0174 941 54 97
Internetfax: 069 / 13303730080
email: presse@ikvu.de


<== Zurück zu IKvu-Pressemitteilungen

<== Zurück zur IKvu-Startseite