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Initiative Kirche von unten (IKvu)

+++ pressemitteilung +++

"Arm und Reich im Konklave"
Ökumenisches Netzwerk "Initiative Kirche von unten" zu den politischen Implikationen der Papstwahl

BONN/BERLIN, den 17. April 2005. Das Konklave, das morgen zusammentritt, ist in erster Linie ein politischer Vorgang: 115 Kardinäle bestimmen, wem die uneingeschränkte Macht in der römisch-katholischen Kirche gegeben werden soll. Damit treffen sie jedoch nicht nur eine politische Wahl zu Außen- und Innenpolitik, sondern entscheiden zudem über die theologische, seelsorgliche und ökumenische Richtung der Kirche.

Daher kommt der Zusammensetzung des Gremiums und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten eine immense Bedeutung zu. "Die unterschiedliche finanzielle Macht der Kardinäle zählt zu den unbewältigten Problemen für die Konsensbildung während der Wahl. Es ist kein Geheimnis, daß Kardinäle aus reichen Ländern über vielfältige strukturelle Mittel der Einflussnahme verfügen. Damit wird das Prinzip 'one man - one vote' schon im Ansatz untergraben." erläutert Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer der IKvu.

Dies ist die Kehrseite der weltweiten Struktur katholischer Hilfswerke wie Adveniat, Misereor, Renovabis u.a., deren Netz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts über die Weltkirche gespannt wurde. Immer wieder wurden in der Zeit des Pontifikats Johannes Paul II. diese finanziellen Hebel angesetzt, um abweichende Meinungen der nationalen Bischofskonferenzen wieder auf die römische Generallinie zu bringen - sei es in liturgischen, dogmatischen oder pastoralen Fragen.

Mit der von Johannes Paul II. vorangetriebenen Internationalisierung des Kardinalsgremiums könnte allerdings ein Machtfaktor entstanden sein, der angesichts dieser Erfahrungen der letzten Jahre einen antieuropäischen Affekt begünstigt. "Die Bevormundung und Arroganz der römischen Zentrale stieß in der Vergangenheit nicht nur in Reformkreisen, sondern durchaus auch im konservativen Katholizismus Lateinamerikas, Afrikas und Asiens auf großen Unmut. Diese Menschen in diesen Kontinenten gelten als Zukunft der Kirche, ganz im Gegensatz zu Europa." so Bernd Hans Göhrig.

"Die Unfähigkeit, die europäische Perspektive zu verlassen, führte zu oft zu Entscheidungen in der Vatikanverwaltung, die mit der Realität vor Ort wenig zu tun hatten." Dazu gehört die Unterdrückung der Befreiungstheologie und die mutmaßliche Paktierung des Vatikans mit Todesschwadronen in Mittelamerika. Dadurch könnte es zu einem unerwarteten Ausgang der Wahl kommen, aus der am Ende ein Kandidat aus den südlichen Ländern als Papst hervorgeht.

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