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Initiative Kirche von unten (IKvu)

+++ pressemitteilung +++

"Der Bischof mit der Guillotine"
Ökumenisches Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu) zum Entzug der Lehrerlaubnis von Prof. August Jilek durch Bischof Müller (Regensburg)

BONN, 7. Oktober 2004. Nach der Suspendierung des kirchenkritischen Pfarrers Hans Trimpl im Bistum Regensburg im Sommer 2004 wird nun auch der Liturgiewissenschaftler Prof. August Jilek (Universität Regensburg) vom Regensburger Bischof Müller abgestraft. Müller entzog Jilek die kirchliche Lehrerlaubnis u.a. deshalb, weil Jilek der von Trimpl bestellte Bevollmächtigte ist, der Trimpl nach dem katholischen Kirchenrecht zusteht.

In seiner Eigenschaft als Berater von Pfarrer Trimpl hatte Prof. Jilek die Amtsführung von Bischof Müller kritisiert, ließ aber keinen Zweifel an seiner Identifikation mit dem katholischen Glauben offen. In zwei vertraulichen Briefen an Kardinal Lehmann und den Wissenschaftsminister von Bayern, Thomas Goppel, hatte Jilek zudem die schwierige Lage im Bistum Regensburg signalisieren wollen. Aufgrund dieser Lage sei auch der Gedanke an seinen Kirchenaustritt nahe liegend. Bischof Müller entzog ihm daraufhin in dieser Woche die Lehrerlaubnis, obwohl Jilek nach eigenen Angaben in einem Brief an den Bischof vom 24. September 2004 explizit deutlich gemacht hatte, dass er in der katholischen Kirche verbleiben wollte.

"Schon die Suspendierung von Pfarrer Trimpl war ein Skandal. Jetzt wird auch noch seinem Bevollmächtigten Prof. Jilek unter fadenscheinigen Argumenten der Lehrstuhl entzogen", sagte Bernd Hans Göhrig als Bundesgeschäftsführer der IKvu. "Die Karikatur in der 'Pipeline', die Müller neben einer Guillotine darstellt, scheint Realität zu sein." Wenn Müller seinen autoritären Stil beibehalten würde, verspiele er die von ihm selbst beschworene Einheit mit seinen Mitarbeitern endgültig.

Trimpl war als Mitglied des kirchenkritischen "Aktionskreis Regensburg" suspendiert worden. In dessen Zeitung "Pipeline" wurde die Amtsführung von Bischof Müller wiederholt scharf kritisiert. Dies nahm Bischof Müller zum Anlass für heftige Gegenreaktionen: unter anderem bezeichnete Müller Trimpl und zwei seiner Pfarrkollegen als "Wölfe im Schafspelz", bezichtigte sie, "keine guten Priester" zu sein und "von der heiligen Schrift" nichts zu verstehen. Gegen diese Unterstellungen hatte sich Trimpl um die Erlangung einer einstweiligen Verfügung bemüht. Für die IKvu ist es verständlich, dass Trimpl gegen solche Anschludigungen gerichtlich vorgeht.

Die Pressemitteilungen des Bistums Regensburg strotzen nur so von Halbwahrheiten und verzerrten Darstellungen, sagte Göhrig weiter. Der von Jilek erwogene, aber nicht vollzogene Kirchenaustritt sei kein Grund, ihm seine kirchliche Lehrerlaubnis zu nehmen. Vielmehr hat Müller diese Gelegenheit genutzt, einen weiteren Kritiker seines fundamentalistischen Kurses mundtot zu machen.

Kontakt: Tim Schmidt, Pressesprecher
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