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Initiative Kirche von unten (IKvu)

+++ pressemitteilung +++

"Martyrium ohne Auftrag"
Das Ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten" (IKvu) erinnert an den Widerstandskämpfer Nikolaus Groß (1898-1945)

BONN, den 21. Januar 2005. Am 23. Januar 1945 wurde der Bergmann, christliche Gewerkschafter und Journalist Nikolaus Groß von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee ermordet. Er hatte sich als Hauptschriftleiter der "Westdeutschen Arbeiterzeitung" (Essen) immer wieder gegen den Nationalsozialismus gewandt. Als Gewerkschaftsfunktionär spielte er eine wichtige Rolle in der Organisierung der Arbeiterschaft und im Kontakt zu anderen Widerstandskreisen. Am 15. Januar 1945 wurde er wegen seiner Verbindung zum 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt und gehängt. Nikolaus Groß wurde von Papst Johannes Paul II. 2001 selig gesprochen.

Bernd Hans Göhrig würdigte als Bundesgeschäftsführer der IKvu das Wirken von Groß. "Nikolaus Groß ist einer der christlichen Widerstandskämpfer, die sich bescheiden und eindeutig gegen den Nazi-Terror gewendet haben", schrieb er in einer Grußadresse an Groß' Sohn Alexander. "Er gehörte zu den Menschen, die sich aus ihrem christlichen Gewissen heraus dafür entscheiden mussten, gegen das Regime zu arbeiten und die damit zugleich gegen die Anordnungen ihrer eigenen Kirche verstießen. Das "Martyrium ohne Auftrag" (Ludwig Wolker, 1935) wurde für ihn grausame Realität."

Göhrig erinnerte zudem an den Versuch der römisch-katholischen Kirche, nach 1945 die katholischen Christinnen und Christen im Widerstand nachträglich zur Konstruktion eines katholischen Widerstands zu missbrauchen. "Mehr noch als das Versagen der Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus hat das Verleugnen und Umbiegen dieses Versagens nach 1945 den deutschen Katholizismus zutiefst gespalten - diese Wunde ist noch nicht verheilt. Die Seligsprechung von vorbildlichen Menschen wie Nikolaus Groß überdeckt dieses Defizit nur spärlich."

Zuletzt hatte die Debatte um Zwangsarbeit in kirchlichen Einrichtungen 2001 gezeigt, dass durchaus noch nicht alle Aspekte der Thematik "Kirche und Nationalsozialismus" befriedigend bearbeitet sind. Bei der Tagung "Konsens des Schweigens - die zweite Schuld der römisch-katholischen Kirche nach 1945" bemühte sich die IKvu 2001 zusammen mit Alexander Groß unter anderem um Aufklärung bezüglich der Themen Zwangsarbeit, II. Weltkrieg und katholische Zeitgeschichtsschreibung.

Kontakt: Tim Schmidt, Pressesprecher
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