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+++ pressemitteilung +++

"Johannes Paul II. ist ein Gefangener seines Amtes"
Initiative Kirche von unten fordert Verständnis für den Rücktritt des schwerkranken Papstes

BONN, 16.05.2002. Am kommenden Samstag feiert Johannes Paul II. seinen 82. Geburtstag und rechtzeitig wird den zu erwartenden Rücktrittsforderungen offiziell entgegengetreten. Trotzdem muss jeder neue öffentliche Auftritt neben Respekt für die Energie des Papstes auch Mitleid mit einem sehr kranken Menschen hervorrufen. Doch Verständnis für den würdigen Ruhestand eines kranken Papstes ist nicht erkennbar: ein Dilemma der theologischen Konstruktion des Amtes.

Das Beharren im Amt trotz seiner Krankheit zeigt deutlich die Unmenschlichkeit des römischen Kirchenbildes, dem dieser Papst sich verpflichtet fühlt. Zwar hat sich Johannes Paul II. durch seine zahlreichen Reisen den Menschen genähert, doch der Mensch verschwand zusehends hinter dem Amt. Seine Vorgänger von Johannes XXIII. bis zu Johannes Paul I. bauten äußere Attribute und Barrieren der Macht ab und bekundeten damit ein neues Amtsverständnis, das dialogisch und partizipatorisch ausgerichtet war und entsprechende Reformen erwarten ließ; der Mensch im Papstamt wurde erkennbar.

Für Johannes Paul II. hingegen dominiert das Amt seine Person. Daraus entsteht die zu beobachtende Hilflosigkeit, mit der fortschreitenden Krankheit menschlich umzugehen. Daraus entstehen auch Parolen wie das kolportierte Papstzitat "Auch Jesus ist nicht vom Kreuz gestiegen.", die deutlich machen, dass ein Rücktritt den Stellenwert von Verrat am Amt hätte. Dass nach der Lehre der Kirche Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist, offenbart in diesem Zusammenhang den Ernst der Situation.

Könnte Johannes Paul II. etwa nicht auf die "spirituelle Unterstützung", die er am vergangenen Mittwoch für das Weiterführen des Amtes von seinen Gläubigen erbeten hat, vertrauen, wenn er sich zu dem großen Schritt des Rücktritts entschließen würde? Im Gegenteil: Eine Welle der Sympathie und des Respekts würde nicht nur die römisch-katholische Welt bewegen.

Nach dem Kirchenrecht ist der Amtsverzicht des Papstes möglich, sofern "der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht" wird (can 332 §2 CIC). Eine Abwahl oder gar Absetzung ist also ausgeschlossen. Diese zentralistische Konstruktion verurteilt die römisch-katholische Welt demnach zur Passivität. Eine verschärfende Ergänzung bietet can 335: Bei "völliger Behinderung" dürfen keine Veränderungen geschehen, die in die Kompetenz des Papstamtes fallen. Aufgrund der zentralen Stellung des Papstes bedeutet dies Stillstand - bis zur Wahl eines neuen Papstes, die in diesem Fall erst nach dem Tod des Amtsinhabers erfolgen kann. Eine transparente Kontrolle dieser Regelung gibt es nicht: Wer würde eine "Behinderung" feststellen und nach welchen Kriterien?

Muss der Papst also bis zum Tod im Amt ausharren? Johannes Paul II. hat in seiner langen Amtszeit außergewöhnlich viel geleistet und die Kirche - positiv und leider auch negativ - verändert. Er hat sich kaum geschont und ist heute ein schwerkranker Mann. Es ist ihm zu wünschen, dass er seiner Krankheit gemäß in den Ruhestand gehen darf. Sein Geburtstag muss daher erneut Anlass zu weitreichender Kritik sein, die - unter Respekt vor der Würde seiner Person - die Aporien der kirchlichen Struktur benennt und Lösungswege diskutiert.

Bernd Hans Göhrig,
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