| Initiative
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+++ pressemitteilung +++
BONN, den 11.11.2003. Mit Befremden hat die Initiative Kirche von unten (IKvu) zur Kenntnis genommen, dass sich die Deutsche Bischofskonferenz bis heute nicht zu der antisemitischen Rede des katholischen Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann geäußert hat. Gerade aufgrund der Jahrhunderte langen antijudaistischen und antisemitischen Tradition der Kirchen müsste hier in vorbildlicher Weise reagiert werden. Doch auch das Bistum Fulda, in dessen Gebiet Hohmanns Wahlkreis liegt, hat bis heute keine Stellungnahme zur Rede Hohmanns vom 3. Oktober 2003 veröffentlicht. Allein der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Dr. Hans-Joachim Meyer, fand in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger heute deutliche Worte und verurteilte Hohmanns Rede scharf ("Ich bin entsetzt und fassungslos, wie jemand, der im Deutschen Bundestag Wähler vertritt, ein solches Gebräu antisemitischer Vorurteile, Halbwahrheiten und Legenden zusammenrührt" [...] "Hohmanns Art zu denken steht in krassem Widerspruch zum christlichen Glauben und zur Lehre der Kirche").
| Unterdessen verurteilte
auch Kardinal Karl Lehmann die antisemitischen Äußerungen Hohmanns.
"Christentum, rechtsextremes Gedankengut und ein sich darauf beziehender
politischer Fundamentalismus passen nicht zusammen", sagte der
Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz der Katholischen
Nachrichten-Agentur. Wer diese Grenze überschreite, könne sich dafür nicht
auf den christlichen Glauben berufen. Zuvor hatten kirchliche Basisgruppen
die öffentliche Zurückhaltung der katholischen Kirche gegenüber dem Fall
Hohmann kritisiert. Aus: Frankfurter Rundschau, 13.11.2003 |
"Es ist erstaunlich, dass die Bischofskonferenz ausgerechnet dann schweigt, wenn es um fundamentalistische und antisemitische Positionen geht. Bei Themen wie der Bioethik oder der eingetragenen Lebenspartnerschaft zeigt sie sich dagegen sehr eloquent", sagte Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer der IKvu. Die IKvu erkennt hier eine verhängnisvolle Verquickung von kirchlichem Fundamentalismus und Strategien der Verdrängung: immer öfter wird von Personen des öffentlichen Lebens die nationalsozialistische Vergangenheit relativiert. Die Leiden des jüdischen Volkes werden zugunsten der angeblichen deutschen "Opfer" aufgerechnet. Aber nur mit einer vollen Anerkennung dessen, was geschehen ist, kann Zukunft gestaltet werden. Wir erwarten eine klare Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz und des Bistums Fulda, die sich von den Äußerungen Hohmanns distanziert und deutlich macht, dass diese nicht mit dem christlichen Glauben in Einklang zu bringen sind.
Kontakt: Tim Schmidt
IKvu-Pressesprecher
Tel: +49 30 44715542
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FR-Dossier: "Die Hohmann-Affäre" |