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Initiative Kirche von unten (IKvu)

+++ pressemitteilung +++

"Konklave und Verantwortung für ein friedliches Verhältnis der Religionen"
Ökumenisches Netzwerk "Initiative Kirche von unten" zur ökumenischen Dimension der Papstwahl

BONN/BERLIN, den 17. April 2005. Ob sie es wollen oder nicht - auch für die  protestantischen Kirchen wird die Wahl des nächsten Papstes Folgen haben: In der öffentlichen Wahrnehmung der Religionen treten Konfessionsgrenzen weltweit in den Hintergrund, zugunsten einer undifferenzierten Zusammenfassung der christlichen Kirchen als "das Christentum". Aufgrund der medialen Vorteile des römischen Katholizismus gereicht dies sehr zum Nachteil der protestantischen und anderen christlichen Kirchen außerhalb der westlichen Welt.

"Die Kirche ist in vielen Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens noch immer als Handlanger des grausamen europäischen Kolonialismus in übler Erinnerung. Sie wird zuallererst als politischer Machtfaktor wahrgenommen. Vor diesem historischen Hintergrund belastete der zentralistische und missionarische Stil Johannes Paul II. nicht nur das Verhältnis der außereuropäischen Katholiken zur römischen Zentrale, sondern auch zu anderen Religionen", erklärte Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer der IKvu. Die Forderung des Papstes, "im dritten Jahrtausend in Asien das Kreuz einzupflanzen", schürte bei dessen zweiter Indienreise 1999 den Konflikt mit den Hindus. Angriffe und Brandanschläge radikaler Islamisten in Indonesien machten an Weihnachten 2000 die sensible Situation der christlichen Minderheit nicht nur in diesem Land überdeutlich. Daher wird die römische Wahl auch auf dem ökumenisch-diplomatischen Parkett aufmerksam verfolgt.

Für das innerchristliche Verhältnis waren die päpstlichen Aussagen zu den christlichen Schwesterkirchen in den letzten Jahren abweisend und destruktiv: zugunsten einer zwanghaft-ängstlichen Betonung der römischen Identität als der einzig wahren Kirche. "Wenn Dialog sich von katholischer Seite in symbolischen Gesten ohne Nährwert für das gemeinsame Projekt Christentum erschöpft findet kein Dialog statt, bestenfalls Belehrung von oben herab. Dadurch isoliert sich der Katholizismus zunehmend in der Sackgasse konfessioneller Selbstgenügsamkeit", so Bernd Hans Göhrig. "Die grundlegenden theologischen Streitfragen vergangener Jahre sind doch inzwischen geklärt, dieser Forschungsstand müsste endlich auch in Rom zur Kenntnis genommen werden, auch bei der Frage des gemeinsamen Abendmahls."

Wenn zukünftig weniger das Trennende als das Verbindende betont würde, hätte das konstruktive Folgen für die Kooperation der christlichen Kirchen auf globalem Niveau. Dass Rom sich bisher nur mit Beobachterstatus am Ökumenischen Rat der Kirchen beteiligt, ist angesichts der globalen Krisen dringend revisionsbedürftig. Auch das Verhältnis zur Russischen Orthodoxie ist bis zum Äußersten belastet und hat die Qualität eines Kirchenkampfes. Das Konklave trifft also auch hier mit seiner Wahl eine Richtungsentscheidung mit weit reichenden politischen Implikationen.

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