Initiative Kirche von unten (IKvu)
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Kirche lebt von unten

+++ pressemitteilung +++

IKvu solidarisiert sich mit Juan-José Tamayo
Kritik an der Disziplinierung von TheologInnen in aller Welt

BONN, Oscar-Romero-Haus, 21.01.2003. In der Bundesrepublik weitgehend unbemerkt wurde der spanische Theologe Juan-José Tamayo vom Vatikan nun unter dem Vorwurf verurteilt, von der offiziellen Lehre über Jesus von Nazareth abzuweichen.

Der Laientheologe Tamayo gilt in der spanisch sprechenden Welt als Institution. Der angesehene Befreiungstheologe ist Generalsekretär der "Gesellschaft der Theologen und Theologinnen Johannes XXIII." und Autor von über 35 Büchern, darunter ein Wörterbuch der Pastoral. In seiner regelmäßigen Kolumne in der liberalen spanischen Zeitung El Pais vertritt er Positionen der kirchlichen Reformbewegungen wie die Forderungen nach einer Demokratisierung der Kirche, Frauenordination, freie Wahl des Zölibats, etc.

International wurde er zuletzt Anfang Januar wegen seiner heftigen Kritik an der in Spanien geforderten Heiligsprechung der umstrittenen Königin "Isabel I." (1451-1504) in der Presse zitiert: Ein solcher Schritt sei wegen der religiösen Intoleranz von "Isabel der Katholischen" abzulehnen. Nun hat ihn die religiöse Intoleranz des römischen Katholizismus selbst ereilt: Wie üblich verweigert der Vatikan dem Theologen jede Anhörung bzw. genaue Angaben über die Vorwürfe, die ihm gemacht werden.

Eine Welle der internationalen Solidarität hat die spanisch sprechende katholische Welt erfasst. Unter den Unterstützern sind Namen von Klang wie Jon Sobrino, Leonardo Boff und Jacques Gaillot. Die Initiative Kirche von unten wendet sich auf das Schärfste gegen die Verurteilung von Juan-José Tamayo und versichert ihn ihrer aufrichtigsten Solidarität.

Diese Verurteilung reiht sich ein in eine lange Kette von Disziplinierungsversuchen gegenüber unabhängigen und nonkonform denkenden Theologinnen und Theologen in aller Welt. Zu nennen sind hier etwa Hans Küng, Eugen Drewermann, Willigis Jäger, Josef Imbach und die zahlreichen Theologinnen, deren Berufung allein aufgrund ihres Geschlechts verhindert wurde. Solange eine willkürliche Treue zum römischen Lehramt und nicht wissenschaftliche Redlichkeit, Engagement und theologische Kreativität Theologinnen und Theologen qualifizieren, werden (Vor-)Verurteilungen wie diese an der Tagesordnung bleiben.

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer


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