Initiative Kirche von unten (IKvu)
c/o Bernd H. Göhrig, Bundesgeschäftsführer
Oscar-Romero-Haus
Heerstraße 205, 53111 Bonn

Fon: 069 / 42095780
Fax: 069 / 42095781
E-Mail: presse@ikvu.de

Kirche lebt von unten

KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche"

KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche"
c/o Christian Weisner, Bundesteam
Hildesheimer Straße 103, 30173 Hannover

Fon:  0511 / 80 00 10
Fax:  0511 / 988 60 50
E-Mail: presse@wir-sind-kirche.de
Internet: www.wir-sind-kirche.de


+++ pressemitteilung +++

Erneut Strafdrohung wegen gemeinsamer Abendmahlsfeier
Solidarität mit dem Theologen Gotthold Hasenhüttl
Kritik an Ultimatum des Trierer Bischof Marx

Bonn, Berlin, Hannover, 16.7.2003. Ihre Solidarität mit dem römisch-katholischen Theologen Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttl haben das ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten" (IKvu), die katholische KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" und die Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord erklärt. Wegen seiner Teilnahme an einem ökumenischen Gottesdienst mit "offener Kommunion" anlässlich des Ökumenischen Kirchentags droht Hasenhüttl die Suspendierung vom Priesteramt durch den Trierer Bischof Reinhard Marx, der ihn ultimativ bis heute zu "Reue" und "Widerruf" aufgefordert hat (vgl.: Dokumentation Ultimatum 1.7.2003). Als willkürliche Verschärfung des Konfliktes muss der zu Unrecht gegen Hasenhüttl erhobene Vorwurf der "Interkommunion" angesehen werden. Die tatsächlich beim Kirchentag praktizierte eucharistische Gastfreundschaft bezeichnet hingegen Kardinal Lehmann als "Verletzung der kirchlichen Bestimmung an der unteren Grenze".

Nach Ansicht der Reformgruppen und der Gemeinde lässt die völlig überzogene Reaktion von Bischof Marx gegen Prof. Hasenhüttl den Schluss zu, nach dem "Fall Kroll" werde ein weiterer Sündenbock dafür gesucht, dass die offiziellen Abgrenzungsversuche gegenüber nichtkatholischen Christen im Kirchenvolk fast nur noch Kopfschütteln hervorrufen. Wenn der Arm der Hierarchie Laien nicht mehr belangen kann, da diese als Kirchensteuerzahler unentbehrlich sind, soll an Klerikern ein Exempel statuiert werden, die sich einer Disziplinierung nicht ohne weiteres entziehen können.

Das von Prof. Hasenhüttl beantragte Schlichtungsverfahren hatte Bischof Marx abgelehnt. Der Vorgang weist daher auf das eklatante Fehlen einer unabhängigen Verwaltungs- und Schiedsgerichtsbarkeit in der römisch-katholischen Kirche hin. Seit einem Beschluss der "Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland", der so genannten Würzburger Synode aus dem Jahre 1975, liegt eine detailliert ausgearbeitete Ordnung für die Errichtung von neutralen kirchlichen Schiedsstellen und Verwaltungsgerichten vor, die diesen nahezu rechtsfreien Zustand beenden soll, jedoch bis heute ihrer Umsetzung harrt.

Wer wie Bischof Marx die in vielen Gemeinden bewährte Praxis ökumenischer Abendmahlsfeiern nur noch als "Verstöße gegen die cc. 844 § 1 iVm § 4 CIC, 273 CIC, 933 CIC und 846 § 1 CIC" wahrnehmen kann, nicht aber als beeindruckendes Glaubenszeugnis engagierter evangelischer und katholischer ChristInnen zu würdigen weiß, ist offensichtlich taub und blind geworden für die befreiende Botschaft Jesu: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20). Der Vorwurf von Marx, die von den Reformgruppen und der Evangelischen Gemeinde Prenzlauer Berg-Nord vorbereiteten ökumenischen Gottesdienste hätten "Ärgernis" erregt, ist konstruiert: ChristInnen beider Konfessionen haben sich nach jüngsten Umfragen mit überwältigender Mehrheit für ein gemeinsames Abendmahl ausgesprochen.

Der heutige Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, hat als Theologieprofessor bereits 1970 (!) geschrieben: "Die eigentliche Irregularität sind nicht solche offenen Kommunionfeiern, sondern die Spaltung und gegenseitige Exkommunikation der Kirchen. Die nicht positiv genug zu würdigende Funktion einzelner Gruppen, welche hier vorpreschen, ist es, dass sie den Kirchen den Skandal ihrer Trennung im Sakrament der Einheit immer wieder vor Augen führen und dafür sorgen, dass wir uns nicht bequem mit dem Status quo abfinden. Deshalb können einzelne gemeinsame Eucharistiefeiern, wenn sie in christlicher Verantwortung begangen werden, ein Zeichen der Hoffnung sein, dass die trennenden Gräben aus der Vergangenheit durch gemeinsame Anstrengung überwunden werden können, indem sich alle im Glauben an den einen Herrn um den einen Tisch versammeln, um das eine Brot zu teilen und sich zu einem Leib verbinden zu lassen" (vgl.: Walter Kasper: Offene Kommunion als Zeichen der Hoffnung).

OikoumeneWeitere Informationen:

Initiative Kirche von unten (IKvu),
c/o Thomas Wystrach, Heerstraße 205, 53111 Bonn
Tel: 0174-9670256, Mail: wystrach@ikvu.de

KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche",
c/o Christian Weisner, Hildesheimer Straße 103, 30173 Hannover
Tel: 0511-800010, Mail: presse@wir-sind-kirche.de

Ev. Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord,
c/o Dieter Wendland, Lychener Str. 41, 10437 Berlin
(Vorsitzender des Gemeinde-Kirchenrates)
Tel: 030-445 45 63, oder 030-4483883, Mail: diewend@snafu.de


Strafe für "verbotene Gottesdienstgemeinschaft":

Abendmahl - verboten



<== Zurück zu IKvu-Pressemitteilungen

<== Zurück zur IKvu-Startseite