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+++ pressemitteilung +++

"Diskriminierung von Frauen und Feigheit der Deutschen Bischofskonferenz"
Initiative Kirche von unten zur Disziplinierung von Bischof Kamphaus

Bonn, 09.02.2002. Es kann kein Zufall sein, daß Papst Johannes Paul II. ausgerechnet am Vorabend des Internationalen Frauentags den Limburger Diözesanbischof Franz Kamphaus anweist, aus der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung auszusteigen. Das fundamentalistische Stereotyp des Papstes über Frauen in Kirche und Gesellschaft ist bekannt. Die Beendigung des erfolgreichen Sonderwegs des Bistums Limburg ist ein weiterer Schritt der Diskriminierung von Frauen. Er bestätigt den Rückzug aus gesellschaftlichen Bereichen, die nicht eindeutig im römisch-katholischen Sinn zu gestalten sind, sondern Kompromißlösungen erfordern.

Inhaltlich bleibt Bischof Kamphaus bei seiner Überzeugung - und dafür gebührt ihm Respekt: Der Verbleib im staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung allein bietet Frauen - unter den gegebenen gesetzlichen Bestimmungen - eine echte Hilfestellung an. Nur auf diesem Weg wird Kirche dem christlichen Anspruch bedingungsloser Nächstenliebe gerecht: Hilfe unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung ... - eben auch der sittlich-moralischen Überzeugung. Das Bekenntnis zur römischen Moral- und Sittenlehre kann nicht das Eingangskriterium für katholische Beratungsstellen sein, sondern das erste Prinzip der Konfliktberatung ist die Parteilichkeit für ratsuchende Frauen.

Kamphaus´ Einsatz für einen Verbleib in der staatlichen Konfliktberatung stützte sich auf empirische Erkenntnisse, die den Sonderweg seines Bistums als erfolgreich kennzeichneten. Daran kann auch Rom nicht vorbei. Die Entscheidung des Papstes für den Ausstieg ist also nicht nur eine pastorale Fehlentscheidung, sondern geschieht zudem wider besseres Wissen. Johannes Paul II. geht es jedoch weder konkret um Hilfe für Frauen noch allgemein um die christliche Praxis der Nächstenliebe: Sein Ziel ist die Wahrung der päpstlichen Autorität in Glaubens- und Sittenfragen und der Einheit der römisch-katholischen Hierarchie. Dies versucht Rom seit Jahren durch einen strengen Legalismus, durch die Reduktion römisch-katholischer Lehre auf Rechtgläubigkeit durchzusetzen.

Mit der Lebenswirklichkeit von Frauen hat dieses Denken nichts mehr zu tun: Im Alltag moderner Menschen wirkt diese Praxis repressiv und autoritär, weder verstehend und noch solidarisch. Bischof Kamphaus kann nicht anders als sich der Anweisung formal fügen - im Fall seines Widerstands wären die nächsten Schritte vorprogrammiert: seine Entmachtung durch Bestellung eines Bischofskoadjutors (can. 403 CIC), der den Bischof in potentiell kontroversen kirchenrechtlichen und theologischen Fragen faktisch zur Marionette im eigenen Bistum gemacht hätte, oder die direkte Absetzung (can. 1371 und 1372 CIC).

Kamphaus´ Einlenken ist ein dem formalen Regelwerk der römisch-katholischen Kirche geschuldeter Gehorsam, den er nur verweigern könnte, indem er die formale Autorität des Papstes nicht anerkennen würde. Die Angst vor einem widerständigen Verhalten gegenüber der römischen Hierarchie steckt offenbar tief im deutschen Episkopat - nicht oft genug kann hier an das Vorbild des Paulus erinnert werden, der Petrus offen widerspricht: "Als aber Kephas nach Antiochia kam, trat ich ihm ins Angesicht entgegen, weil er im Unrecht war." (Galater 2,11)

Es überrascht deshalb nicht, daß sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Karl Lehmann erfreut über die Anweisung des Papstes zeigt, und läßt heimliches Aufatmen erkennen. Außer Franz Kamphaus hatten auch andere Bischöfe lange mit sich gerungen, sich dann jedoch für Ausstieg und damit für Gehorsam gegenüber dem Papst entschieden. Daß Bischof Kamphaus einen Sonderweg erstritten hatte und dieses Modell noch dazu in der Sache erfolgreich war, mußte seine Mitbrüder immer wieder an ihre eigene Feigheit und ihr Versagen in einem der wichtigsten Konfliktfälle in der Geschichte des deutschen Episkopates erinnern. Kirchenpolitisch hat dieses Verhalten im Konflikt um die Eigenständigkeit der Bischofskonferenzen gegenüber der römischen Zentrale großen Schaden angerichtet.

Der menschliche Vorwurf, mit dem bischöflichen Bruder nicht solidarisch gewesen zu sein, wird im Kreis der Bischöfe noch lange nachwirken. Der Vorwurf, mit Frauen in Konfliktsituationen nicht vorurteilsfrei solidarisch zu sein, bleibt in der deutschen römisch-katholischen Kirche als Makel bestehen.

Bernd Hans Göhrig,
Bundesgeschäftsführer der Initiative Kirche von unten

Mobil: +49 179 5244075
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