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+++ pressemitteilung +++

Das "Horror-Evangelium" nach Mel Gibson
Initiative Kirche von unten zum Film "The Passion of the Christ"

BONN, 11. März 2004. Normalerweise rufen Filme zum Leben Jesu breite Entrüstung in kirchlichen Kreisen hervor. Diesmal ist es anders: Gibsons Film "The Passion of the Christ" findet großen Beifall. Der Pressesprecher der IKvu, Tim Schmidt, hatte bereits Gelegenheit, in einer Voraufführung den Film zu sehen. "The Passion" ist aus Sicht der IKvu jedoch kein christlicher Film, sondern der blanker Horror.

Was die Leiden Christi mit den eigenen Lebens- und Leidensgeschichten zu tun haben, verschwimmt im reichlich vergossenen Filmblut. Jesu Weg ans Kreuz ist für die IKvu vor allen Dingen ein Zeichen der Solidarität Gottes mit der leidenden Welt. Diese Dimension blendet der Film völlig aus. Es geht in "The Passion" nur um Jesu "Opfergang" ans Kreuz, der auf brutalste Weise dargestellt wird. Die theologische Aussage dahinter: Gott opfert seinen Sohn, um die Welt mit sich zu versöhnen.

Mit einer so grausamen Rede von Gott verfehlt der Film aber auch die zweifelhafte Mission, Menschen das Christentum näher zu bringen. Im Gegenteil - viele Menschen werden abgestoßen sein von der Brutalität eines solchen "Gottes". Nur fundamentalistische Christen werden durch "The Passion" in ihrem verhärteten Glauben noch bestärkt.

Wie zahlreiche Kommentatoren erkennt auch die IKvu in "The Passion" die Gefahr, dass mit der Darstellung einzelner Figuren und des jüdischen Volkes das alte Klischee des "Christusmordes" erneut bedient wird: Der Hohepriester, der zuerst als Finanzspekulant auftritt und das Blutgeld für Jesus aushandelt. Die jüdische Bevölkerung, die lediglich als tobender, blutdürstiger Mob erscheint. Der humane römische Statthalter, der sich, von den Juden manipuliert, der Kreuzigung nicht widersetzen kann. Religiöser und politischer Antisemitismus gehen hier Hand in Hand und bedienen übelste Ressentiments.

Mel Gibson selbst ist Mitglied einer katholischen Sekte, der "Traditionalisten", die die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils nicht anerkennt und der dort eingeleiteten Versöhnung zwischen Christen und Juden ablehnend gegenüber steht. Kirchenreform ist in den Augen der Traditionalisten das Werk kommunistischer, freimaurerischer oder jüdischer Verschwörung, Frauen dürfen nur mit Kopftuch in die Kirche und der Gottesdienst wird in lateinischer Sprache gefeiert.

Der Präsident des Päpstlichen Medienrates, Erzbischof John Foley, äußerte sich zufrieden und bewegt über Gibsons Film und verteidigte ihn gegen den Vorwurf des Antisemitismus. Es sei positiv, dass durch den Streit um den Film ein religiöses Thema öffentlich diskutiert werde. "The Passion" ist jedoch kein religiöser Film. Vielmehr wird hier die Geschichte von Jesus Christus missbraucht als Projektionsfläche für Gewaltphantasien und antisemitische Vorurteile unter dem Deckmantel pseudo-realistischer Darstellung. Damit hat der Film aber auch politische Implikationen.

Wir begrüßen daher die vorsichtige Distanzierung der Deutschen Bischofskonferenz vom 4. März 2004 (Infos - Links - Kritik). Auch das Schreiben der EKD an die Gliedkirchen vom 8. März 2004 signalisiert eine Ablehnung des Authentizitätsanspruchs von Gibson und der Gewaltszenen. Beide Stellungnahmen hätten aber aus Sicht der IKvu deutlicher ausfallen können, um Fundamentalisten deutlich zu machen, dass sie mit ihrer undifferenziert positiven Wertung nicht mit Unterstützung rechnen können.

Kontakt: Tim Schmidt
IKvu-Pressesprecher
Tel: +49 30 44715542
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email: presse@ikvu.de


IKvu-SPECIAL: Das "Horror-Evangelium" nach Mel Gibson


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