Initiative Kirche von unten (IKvu)
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Initiative Kirche von unten (IKvu)

+++ pressemitteilung +++

"Zwischen Rückschritt und Hoffnung"
Ökumenisches Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu) zum Pontifikat von Papst Johannes Paul II.

Bonn, 2.4.2005. Das Ökumenische Netzwerk "Initiative Kirche von unten" (IKvu) blickt kritisch zurück auf die Amtszeit eines Papstes, die im Wesentlichen bestimmt war durch die Ambivalenz zwischen einem römisch-katholischen Fundamentalismus und dem Bemühen um Frieden und Ökumene.

Das Pontifikat Johannes Paul II. war von Anfang an geprägt von der Verteidigung des traditionellen Glaubens und der Abgrenzung vom Zeitgeist einer "unchristlichen Welt". Unfähig, die Zeichen der Zeit anders als in den Kategorien von Gut und Böse zu deuten, orientierte sich die Politik Johannes Paul II. daher an einem neuen katholischen Fundamentalismus. Dies führte bei Themen wie Empfängnisverhütung und AIDS, Gleichberechtigung von Frauen, Schwulen und Lesben auch außerkirchlich immer wieder zu fatalen Koalitionen mit entsprechenden Strömungen im Islam und im Protestantismus.

Kirchenreformerischen Bestrebungen für eine Öffnung der Kirche, die ökumenisch und basiskirchlich orientiert und mit demokratischen Strukturen versehen angemessen auf die Probleme der Zeit zu antworten hätte, wurden vehement unterdrückt. Einem sich öffnenden theologischen Denken setzte der Papst frühzeitig Grenzen, was immer wieder zu Protest und Lehrzuchtverfahren führte - hierfür stehen stellvertretend die Feministische Theologie und die lateinamerikanische Befreiungstheologie, sowie die Namen von Hans Küng, Leonardo Boff und Eugen Drewermann.

So zeichnet Johannes Paul II. verantwortlich für den Niedergang des jungen, sozial engagierten Katholizismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vor allem seine konsequente Personalpolitik bei Bischofsernennungen und bei der Besetzung von theologischen Lehrstühlen, die weltweit nur eigene Parteigänger förderte, sowie das Schließen von befreiungstheologisch orientierten Ausbildungsstätten in Lateinamerika beendete systematisch den Frühling in der Kirche, der mit dem II. Vatikanischen Konzil aufgebrochen war. Damit begann in der katholischen Kirche eine neue Eiszeit: Zensur und Zentralismus, Lehrverbote und Denunziationen, die Verrechtlichung der Theologie und Repression gegen Reformbemühungen entfremdeten zahlreiche Menschen von dieser Kirche. Zuletzt sicherte ein Treueeid für alle Priester schon auf unterster Ebene die Stabilisierung des römischen Zentralismus.

Demgegenüber hat Johannes Paul II. mit seiner klaren Ablehnung des Irakkrieges weltweit viele Sympathien auch bei nichtkirchlich geprägten Menschen erlangt. Ebenso zu würdigen sind seine Bemühungen um eine interkonfessionelle und interreligiöse Ökumene. Die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre beendete 1999 den Streit, an dem die Einheit der westlichen Kirche vor fast 500 Jahren zerbrochen war. Johannes Paul II. war auch der Initiator der Weltfriedensgebete, die seit 1986 die Religionen aufrufen, sich gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung zu engagieren.

Die Zukunft wird zeigen, was von einem der längsten Pontifikate in der Geschichte des Papsttums bleiben wird. Nun muss das Konklave mit der Frage der Nachfolge zugleich darüber entscheiden, wie sich die römisch-katholische Kirche weiterentwickeln wird - zu wünschen wäre ein Anknüpfen an die positiven Ansätze des II. Vatikanischen Konzils und ihre Weiterentwicklung hin auf die Nöte der Menschen in der einen globalisierten Welt. Zu befürchten steht jedoch die Fortsetzung einer Politik der Besitzstandswahrung und der Abgrenzung vom Zeitgeist einer vermeintlich unchristlichen Welt.

Kontakt:
Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer
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