Initiative Kirche von unten (IKvu)
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Kirche lebt von unten

+++ pressemitteilung +++

"Die Tugend des Protests für Ökumene und Gerechtigkeit"
Initiative Kirche von unten
zur Wahl des neuen EKD-Rates

Die Wahl, die jemand trifft, zeigt seinen Verstand.
(Rabbihi 'Abd, Literat des 10. Jahrhunderts)

BONN, 30.10.2003. Wenn am 4. November die Synodalen in Trier den neuen Rat der EKD wählen, werden sie die Richtung der Evangelischen Kirche in Deutschland für die kommenden sieben Jahre mitbestimmen. In einem weiteren Wahlgang werden die Synodalen die Ratsvorsitzende bzw. den Ratsvorsitzenden wählen, die den deutschen Protestantismus nach außen hin repräsentieren wird.

Die Initiative Kirche von unten (IKvu) als ökumenisches Netzwerk wünscht sich vom Rat der EKD und seiner bzw. seinem Vorsitzenden weiterhin ein entschiedenes Eintreten nicht nur für die weltweite solidarische Ökumene und die Fortführung des interreligiösen Dialogs insbesondere mit dem Islam, sondern gerade nach dem Berliner Ökumenischen Kirchentag das offensive Aufrechterhalten der Einladung zu einer kirchenverbindenden Ökumene.

"Wir hoffen, dass der nächste Rat ein starkes Pendant zur Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken sein wird," so Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer der IKvu. "Die protestantischen Kirchen sind in der Öffentlichkeit immer stärker in der Gefahr, als Anhängsel des Katholizismus marginalisiert zu werden, auch wenn das faktisch nicht so ist - der Rückzug in eine protestantische Abgrenzungsstrategie wäre hier das falsche Signal für zahlreiche ökumenisch gesinnte Christinnen und Christen in der Bundesrepublik. Wir erwarten daher, dass der Rat der EKD auch weiterhin seinen größeren politisch-theologischen Spielraum nutzt und sich für eine Mahlgemeinschaft mit katholischen Christinnen und Christen einsetzt."

Auch gesellschaftspolitisch wird der neue Rat angesichts der sukzessiven Veränderung der politischen Rahmenbedingungen unseres Gemeinwesens stärker als bisher gefordert sein: Es wäre ein wichtiges Signal, wenn der neue Rat gegen die Sparmaßnahmen der Bundesregierung eintreten und eindeutiger als bisher für die sozial Schwachen in unserer Gesellschaft Position beziehen würde. Ein entschiedenes Engagement für gerechtere Handelsstrukturen wäre ebenso notwendig wie eine energische Absage an neoliberale Wirtschaftsstrategien, um so die Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland für die eine humane globale Entwicklung zu unterstreichen und die Verbindung von Menschenrechten und ökonomischer Entwicklung betonen.

"Es gehört zu den zentralen Aufgaben der Kirchen, als prophetische Anwältin Stimme der Stimmlosen zu sein. Leider ist die Tugend des Protests im Katholizismus aus internen Gründen stark verkümmert – umso mehr erwarten wir diese gute protestantische Tradition vom Rat der EKD!", so Göhrig. Das beispielhafte Engagement gegen den Krieg im Irak muss auch in Zukunft in der Unterstützung von Demilitarisierungskampagnen und der Forderung nach globaler Abrüstung fortgesetzt werden.

Innenpolitisch erwartet die IKvu, dass sich der Rat auch für die Rechte von "illegalen" Flüchtlingen in Deutschland einsetzt. Ebenso sollte der Rat den bisherigen Widerstand gegen ein Antidiskriminierungsgesetz aufgeben, so dass auch kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirkungsvoll vor Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung geschützt sind.

Insgesamt setzt die IKvu auf einen Rat, der für Gerechtigkeit und Ökumene eintritt und sich eindeutig auf die Seite der Schwachen und Diskriminierten stellt. Damit würde die Evangelische Kirche in Deutschland nicht nur ihrem christlichen Auftrag vorbildhaft gerecht, sondern bliebe zudem attraktiv für Menschen, die großkirchlichen Institutionen zunehmend kritisch gegenüberstehen und im diakonischen Wirken eines gesellschaftskritischen Engagements die zentrale ökumenische Aufgabe der christlichen Kirchen erkennen.

Kontakt: Tim Schmidt
IKvu-Pressesprecher
Tel: +49 30 44715542
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