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+++ pressemitteilung +++

"Kein ernsthaftes Zeichen gegen sexuelle Gewalt zu erwarten"
Überwiegt Resignation vor der kirchlichen Struktur, die Gewalt erst ermöglicht?

BONN, 19.09.2002. Für die kommende Woche hat die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) anläßlich ihrer Herbsttagung in Fulda erste Maßnahmen zu sexueller Gewalt in der Kirche angekündigt. Es ist nicht zu erwarten, daß die Bischofskonferenz die Tragweite des Skandals erfaßt hat und darauf adäquat reagieren wird: In der Vergangenheit wurden zahlreiche Fälle sexueller Gewalt systematisch vertuscht, verleugnet, kleingeredet und Täter vor Strafverfolgung geschützt, um das "System Kirche" zu schützen - es wurde ausblendet, was nicht sein kann, weil es nicht sein darf. Im Schatten der Bundestagswahl wird es die DBK darauf anlegen, mit lediglich kosmetischen Korrekturen mit dem Ziel der Schadensbegrenzung auf den Skandal zu reagieren.

Um dem katastrophalen Vertrauensverlust wirksam zu begegnen, müßten nun jedoch weitreichende Schritte unternommen werden, um das autoritäre und männlich-elitäre Kirchenmodell, das Gewalt strukturell fördert, zu demontieren - zugunsten einer dialogischen, demokratischen und so wieder vertrauenswürdigen Kirche.

"Die Bischofskonferenz erweckt allerdings nicht den Eindruck von Schuldbewußtsein und Reformfähigkeit nach erfolgter Einsicht in die Fehler der Vergangenheit.", so Bundesgeschäftsführer Bernd Hans Göhrig. "Jetzt müßten Opferschutz, Entschädigung und sexuelle Gewaltprävention die handlungsleitenden Prinzipien sein, und zwar in den Bereichen Jugendarbeit, Priesterausbildung und strafrechtliche Nachbehandlung - daran sind die Beschlüsse der Bischöfe zu messen."

Erstaunlich ist die geringe Resonanz, die das Thema sexueller Gewalt in Gemeinden und Verbänden findet. Ist das Tabu größer als bisher vermutet oder überwiegt Resignation angesichts dieser Kirche? Warum überlassen katholische ChristInnen das Thema fast gänzlich der Bischofskonferenz?

"Daran wird eine fatale "Täterorientierung" deutlich - für Priester sind die Bischöfe zuständig, und der Opferschutz und dringend nötige Präventionsarbeit geraten aus dem Blick." so Göhrig. "Für sexuelle Gewalt in der Kirche sind jedoch alle Mitglieder des Systems Kirche verantwortlich."

Bernd Hans Göhrig,
Bundesgeschäftsführer