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+++ pressemitteilung +++

"Strukturen der Kirche begünstigen sexuellen Missbrauch!"
Initiative Kirche von unten zum Zusammenhang von Missbrauch und Macht

BONN, 17.07.2002. Natürlich gab es auch in der römisch-katholischen Kirche der BRD seit langem bekannte Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester - wenn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Lehmann davon angeblich nichts wusste, war er schlecht beraten - oder wollte diese Tatsachen nicht zur Kenntnis nehmen. Betroffenheitsfloskeln im Nachhinein dienen nun der medialen Beruhigung und Schadensbegrenzung für das Ansehen der Kirche.

Leider scheint das Kalkül aufzugehen: Ein Sturm der Entrüstung bleibt hierzulande bislang aus, so dass sich die Kirche - ganz im Gegensatz etwa zu den USA - nicht zu einschneidenden Maßnahmen gezwungen sieht.

Dabei liegen die Ursachen aus der Perspektive eines emanzipatorischen Menschenbildes klar zutage:

Das autoritäre System der Kirche sichert sich durch restriktive Regeln auf dem Fundament eines hierarchischen Kirchenbildes. Frauen und Sexualität kommt darin eine untergeordnete Rolle zu, ein kaum verdeckter Männlichkeitskult wird zu theologischem Unsinn verbrämt: Der Pflichtzölibat zählt zu den markantesten Regeln, ebenso die Einschränkung des Priesteramtes auf Männer.

Wer je mit Opfern sexuellen Missbrauchs gearbeitet hat, weiß, dass es dabei nicht um "Sexualität" geht, sondern um Machtmissbrauch: Autoritätspersonen, die Abhängigkeit oder Vertrauen rücksichtslos ausnützen, um sich ein Gefühl der Überlegenheit zu verschaffen.

Die kirchlichen Strukturen basieren auf Machtpositionen, die den Amtsinhabern unkontrolliert zur Verfügung stehen und in Kombination mit einer gesellschaftlich unterstellten moralischen Integrität Missbrauch in verschiedene Richtungen außerordentlich begünstigen. Obwohl gerade die Problematik des sexuellen Missbrauchs durch Priester seit Jahren bekannt ist, wird bei Bekanntwerden auf "Einzelfälle" verwiesen, ansonsten unter der Hand geregelt.

In der Pflicht ist der offiziell-verfasste Katholizismus: Die Deutsche Bischofskonferenz, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) müssen strukturelle Veränderungen erzwingen, wenn es nicht bei kosmetischen Symboltaten bleiben soll.

In der Pflicht sind Eltern und Gemeinden, missbrauchsfördernde Strukturen in der kirchlichen Jugendarbeit nicht länger zu dulden.

In der Pflicht ist der Rechtsstaat, der gegenüber der Kirche auf der Durchsetzung seiner Rechtsnormen bestehen muss.

Amtsenthebungen und Schuldbekenntnisse helfen überhaupt nicht weiter, sondern verschleiern das Problem und verhöhnen die Opfer. Gefordert sind demokratische Strukturen, transparente Entscheidungsmechanismen, Machtkontrolle und ein Ende des patriarchalen Systems - zuviel an Veränderung?

Bernd Hans Göhrig,
Bundesgeschäftsführer der IKvu, arbeitete mehrere Jahre in der katholischen Verbandsjugendarbeit auch zu sexuellem Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen.