Initiative Kirche von unten (IKvu)
Oscar-Romero-Haus
Heerstraße 205
53111 Bonn

Fon: 0228 / 692165
Fax: 0228 / 631226
E-Mail: presse@ikvu.de

Kirche lebt von unten

+++ pressemitteilung +++

Katholische Verstrickung in den Faschismus:
"Öffnung der Vatikan-Archive bis 1939 bringt keine neuen Erkenntnisse.
"
Initiative Kirche von unten hat Zweifel an einer neuen Informationspolitik.

BONN, Oscar-Romero-Haus, den 27.2.2003. Nach mehreren gescheiterten Abwehrversuchen scheint sich im Vatikan eine neue Erkenntnis durchzusetzen: Die jahrelange Behinderung der historischen Aufklärung bei dem hochsensiblen Thema der Verstrickung in den Faschismus der 20er bis 40er Jahre schadet nur der Kirche selbst. Zuletzt hatte eine jüdisch-katholische Historikerkommission 2001 entnervt aufgegeben, nachdem ihr monatelang mit fadenscheinigen Gründen Akten vorenthalten worden waren.

Allerdings ist die Öffnung der Archive weniger der plötzlichen Einsicht in das Recht der Öffentlichkeit auf Aufklärung geschuldet, sondern gilt einem laufenden Seligsprechungsverfahren: Bereits vor einem Jahr begründete Pater Peter Gumpel, Berater des Papstes im Seligsprechungsprozess für Pius Xll., die Ankündigung der Aktenfreigabe damit, dass "endlich mit den ständigen Angriffen auf Papst Pius Xll., mit den belastenden Spekulationen und Unterstellungen Schluss" sein müsse.

"Die angebliche Sensation ist Augenwischerei", so Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer der IKvu, "denn wirklich interessant sind die Quellen ab 1939, und die bleiben weiter unter Verschluss. Mit einer transparenten Auseinandersetzung mit dem Faschismus hat das alles überhaupt nichts zu tun."

Ob nun tatsächlich eine Wende in der römischen Archivpolitik eingeläutet wird, bleibt abzuwarten - die bisherige Erfahrung spricht dagegen. Spektakuläre Entdeckungen sind jedenfalls nicht zu erwarten: Die Rolle Pius' XII. ist weitgehend erforscht; wie Entscheidungsstrukturen verliefen und die diversen Parteien im hierarchischen Ränkespiel agierten, etwa bei der Enzyklika "Humanis Generis Unitas" Pius' XI., ist sicher interessant, ändert jedoch an den bekannten Fakten nichts.

Für die zeitgeschichtliche Forschung interessanter sind die Quellen nach 1945: Wie ging die Kirche nach 1945 mit ihrer Rolle im deutschen, italienischen, spanischen u.a. Faschismus um. "In der Bundesrepublik Deutschland waren die kirchlichen Akteure aus der NS-Zeit unangefochten in Amt und Würden, die katholische Kirche stilisierte sich als einzige im Faschismus nicht schuldig gewordene gesellschaftliche Größe. Das Thema Zwangsarbeit ist nur ein Aspekt dieses unaufgearbeiteten Schuldkomplexes, der bis heute nachwirkt."

Siehe dazu die Dokumentation der IKvu-Tagung "Konsens des Schweigens - die zweite Schuld der römisch-katholischen Kirche nach 1945" - erhältlich über das IKvu-Büro in Bonn.

Bernd Hans Göhrig,
Bundesgeschäftsführer



<== Zurück zu IKvu-Pressemitteilungen

<== Zurück zur IKvu-Startseite