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+++ pressemitteilung +++

IKvu: "Rechtskatholiken provozieren Ökumene in den Gemeinden"
"Bischof Mixa missbraucht ökumenisches Abendmahl zu Machtdemonstration"

Oscar-Romero-Haus / Bonn, den 09.06.2003. Die faktische Suspendierung des Eichstätter Pfarrers und KJG-Diözesanleiters Bernhard Kroll kann nicht losgelöst von dem seit einigen Jahren gefährlich erstarkten Rechtskatholizismus gesehen werden. Von den Bischöfen Meisner (Köln) über Mixa (Eichstätt) bis Müller (Regensburg) reicht die Phalanx der rechtskatholischen Bischöfe, deren Kirchenverständnis streng autoritär und hierarchisch ausgerichtet ist.

Diese Kreise sind gut organisiert, sie verfügen über feste Strukturen und Netzwerke: Mitte Juni findet in Fulda der seit zwei Jahren alljährlich als "Gegenkirchentag" veranstaltete Kongress "Freude am Glauben" statt, auf dem sich VertreterInnen der politischen katholischen Rechten tummeln. Propagiert wird dort der Rückzug aus der modernen, weil "sündigen" Gesellschaft, Zucht und Gehorsam, Konfessionstrennung und die Treue zu einer angeblich wahren katholischen Lehre.

Mit der Suspendierung Bernhard Krolls versuchen die Rechtskatholiken nun, sich als Wahrer der katholischen Lehre und treue Anhänger Roms zu profilieren. Konsequent verhaftet in dieser Burggrabenmentalität spricht daher der Sprecher des "Forums" Hubert Gindert von einer "mutigen Entscheidung" des Eichstätter Bischofs "in einer Zeit der Unsicherheit, der Verwirrung und des fehlenden Glaubensgehorsams".

Die Durchführung des Ökumenischen Kirchentages wird in diesen sektiererischen Kreisen als ernste Niederlage bewertet. Nachdem dieser Kirchentag nicht verhindert werden konnte, wird nun versucht, auch auf sprachlicher Ebene Deutungshoheit zurückzugewinnen: Die Eichstätter Bistumsleitung setzt eine "ehrliche Ökumene" der seit Jahrzehnten in den Kirchengemeinden gewachsenen Ökumene entgegen und bedient so das Klischee von der angeblichen "Provokation" der in der Berliner Gethsemane-Kirche durchgeführten ökumenischen Gottesdienste. Diese "ehrliche Ökumene" zeichnet sich jedoch offensichtlich weder durch eine theologische oder pastorale Qualität, sondern allein durch Treue zu Rom aus.

Das hier zugrunde liegende Kirchenmodell impliziert zugleich einen bestimmten Gesellschaftsentwurf und geht an die Substanz des demokratischen Rechtsstaats: Das Erstarken des katholischen Fundamentalismus ist eine Gefahr für das gesellschaftliche Zusammenleben nicht nur von ChristInnen beider Konfessionen.

Die Frage stellt sich immer dringender, ob gesellschaftlich aufgeschlossene Vertreter in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) wie Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) oder der Vorsitzende der DBK Karl Lehmann (Mainz) nicht zu schwach sind und vor den rechtskonservativen Kräften längst kapituliert haben. Die pfingstliche Forderung Lehmanns "Mut zu Reformen" ist nur ein schwacher Reflex auf die Vorgänge in Eichstätt. Das Ignorieren dieser Entwicklung rächt sich nun: Während die bischöfliche Mitte noch mit dem Image der Kirche hadert - und Marketing-Agenturen durch die Bistümer ziehen - machen die Fundamentalisten Nägel mit Köpfen.

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer


Strafe für "verbotene Gottesdienstgemeinschaft":

Abendmahl - verboten


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