Initiative Kirche von unten (IKvu)
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+++ pressemitteilung +++

"Sexuelle Gewalt in der Kirche: DBK ist diskreditiert!"
Initiative Kirche von unten
mahnt gemeinsame Verantwortung des deutschen Katholizismus an

BONN, 23.08.2002. Berechtigtes Misstrauen ist angebracht, wenn der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am kommenden Montag, den 26.08.2002 in Würzburg über den Umgang mit Verbrechen sexueller Gewalt in der Kirche berät: In der Vergangenheit wurden Einzelfälle vertuscht, verleugnet, kleingeredet und Täter vor Strafverfolgung geschützt. Die Komplexität des Problems wird bis heute nicht zur Kenntnis genommen. Die DBK ist demnach weder moralisch noch sachlich in der Lage, angemessen zu reagieren.

Das Problem sexueller Gewalt in der Kirche betrifft alle Teile des römischen Katholizismus in der BRD: Gemeinden, Jugend- und Erwachsenenverbände, Schulen, Orden, Klerus und kirchenkritische Organisationen. Vor allem in den Jugendverbänden wird seit Jahren präventiv zum Thema gearbeitet. Diese Kompetenzen müssen nun wirksam zusammengeführt werden, um zu vermeiden, dass die DBK konsequenten Regelungen aus dem Weg geht.

Die IKvu schlägt daher die Einrichtung einer ständigen Kommission "Sexuelle Gewalt in der Kirche" vor. Ihre Aufgabe ist das Erarbeiten gemeinsamer verbindlicher Richtlinien für:

  • die Präventionsarbeit in der kirchlichen Jugendarbeit und der Priesterausbildung
  • die Einrichtung von Hilfsangeboten, z.B. Notruftelefone für MinistrantInnen
  • die Einrichtung von kirchenunabhängigen Ombudsstellen
  • die Entschädigung der Opfer - auch jenseits der Verjährungsgrenze
  • die Überprüfung aller zurückliegenden, auch der bereits verjährten Fälle
  • das strafrechtliche Procedere im aktuellen und begründeten Verdachtsfall
  • den kircheninternen Umgang mit überführten Tätern

Eine der wichtigsten Aufgaben des Gremiums besteht allerdings darin, die Prinzipien einer parteilichen und emanzipatorischen Kinder- und Jugendarbeit innerhalb der Kirche zu stärken - Kinder stark zu machen ist die beste Prävention. Diese Richtlinien müssen daher auch strukturelle und finanzielle Regelungen für eine Profilierung der Kinder- und Jugendarbeit umfassen.

Das Gremium sollte sich aus FachreferentInnen der Jugend(verbands)arbeit und Erwachsenenverbände, qualifizierten Personen inner- und außerhalb der Kirche wie z.B. vom "Notruf-Telefon Zypresse" der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche", sowie Vertreterinnen und Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und der Deutschen Bischofskonferenz zusammensetzen.

Es wird sich bald zeigen, ob den deutschen Bischöfen tatsächlich an Aufklärung und Veränderung gelegen ist und ob sie den Mut aufbringen, bei diesem Thema über den eigenen Schatten zu springen.

Bernd Hans Göhrig,
Bundesgeschäftsführer