Initiative Kirche von unten (IKvu)
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+++ pressemitteilung +++

"Vatikan-Note stärkt den fundamentalistischen Katholizismus in der BRD"
IKvu:
Unglaubwürdiges Zugehen auf Demokratie und Menschenrechte

BONN, Oscar-Romero-Haus, 16.01.2003. Die "Lehrmäßige Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben" der römischen Glaubenskongregation kommt auf den ersten Blick als Schritt in die richtige Richtung daher: die Verdammung demokratischer Gesellschaftsformen scheint überwunden, das Engagement von römisch-katholischen Christinnen und Christen in der Demokratie wird akzeptiert und begrüßt.

Tatsächlich geht die Note substantiell nicht über bisherige Positionen hinaus: Der Text orientiert sich an Begriffen wie der "Wahrheit des natürlichen Sittengesetzes" und der "Natur des Menschseins" und verurteilt abweichende politische Handlungsansätze als libertinistisch und individualistisch. Mit demokratischen Regeln und Normen, die ihre Legitimität letztlich nicht aus einer übergeordneten natürlichen oder quasigöttlichen Instanz herleiten, ist dieser Ansatz letztlich nicht vereinbar.

Die Stoßrichtung ist klar: Gegen neue Formen der Partnerschaft und Familie, gegen Abtreibung und Religionsfreiheit - gegen das Idealbild einer "natürlich" begründeten Gesellschaftsordnung. Das Papier stärkt den fundamentalistischen Kräften den Rücken, die aus ihrer Haltung in Fragen der Abtreibung und des so genannten "Lebensschutzes" kein Hehl machen und den Kirchenfrieden in den Gemeinden seit Jahren zunehmend härter strapazieren.

Im Hinblick auf den Ökumenischen Kirchentag in Berlin stellt der Text eine Kampfansage dar: Er wendet sich gegen demokratisierende Tendenzen in der Kirche und unterstützt die rechte Sammlungsbewegung des "Forums deutscher Katholiken", die sich ohnehin der offiziellen Unterstützung durch den Präfekten der Glaubenskongregation Kardinal Josef Ratzinger sicher sein kann.

Der außergewöhnliche Vorgang der "Kommentierung" durch den Kölner Kardinal Joachim Meisner ist somit lediglich der Versuch, den Schaden für die deutsche Kirche gering zu halten: Wenn ausgerechnet der Rechtsaußen der Deutschen Bischofskonferenz und Parteigänger des fundamentalistischen Opus Dei, Meisner, und nicht der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, die Erlaubnis des Vatikan erhält, ein Bekenntnis zur Demokratie ablegen zu dürfen, ist das ein taktischer Schritt und zielt auf das schlechte Image der Kirche in der deutschen Öffentlichkeit, das durch den Umgang mit sexueller Gewalt in der Kirche und mit dem Verbot der Abendmahlsgemeinschaft nachhaltig beschädigt ist.

Bernd Hans Göhrig,
Bundesgeschäftsführer



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