Petersdom

IKvu-SPECIAL:
Vor 40 Jahren: Eröffnung des
Zweiten Vatikanischen Konzils

Originaltexte, Erinnerungen,
Links, Literaturhinweise etc.

Zusammenstellung: Thomas Wystrach
Letzte Aktualisierung: 10.02.2004


Zweites Vatikanisches Konzil (11. Oktober 1962 - 8. Dezember 1965):


Vaticanum II, gezählt als 21. ökumenisches Konzil, von Johannes XXIII. († 1963) unerwartet einberufen, damit das Glaubenszeugnis ohne Verurteilungen Andersdenkender u. ohne Verfälschung des Inhalts »zeitgemäß« formuliert u. die Kirche erneuert werden könnte, tagte vom 11.10.1962 bis 8.12.1965 in vier Sitzungsperioden, nach dem Tod des Konzilspapstes von Paul VI. († 1978) fortgeführt. Von 2540 stimmberechtigten Personen waren im Durchschnitt über 2000 anwesend. Beobachter aus nichtkatholischen Kirchen u. Fachtheologen hatten großen Einfluß auf die Texte. Nach der Zurückweisung der von der röm. Kurie vorbereiteten Dokumente durch die Mehrheit setzte Johannes XXIII. sie von der Traktandenliste ab; sie wurden jedoch vom Ende des Konzils an zunehmend wieder zur Geltung gebracht. Paul VI. nahm mehrere Eingriffe in die Texte vor, mit denen die hierarchischen Lehr- u. Leitungsansprüche aufrechterhalten werden sollten. Vielfache Kompromisse bei den Formulierungen hatten zum Ziel, die defensiv nach rückwärts gewandte Minderheit zu gewinnen, so daß stets nur wenige Nein-Stimmen u. Enthaltungen zu registrieren waren.
Die in 16 Dokumenten (Konstitutionen, Dekreten u. Erklärungen) enthaltenen Konzilsaussagen lassen sich so ordnen:
1. das theol. Selbstverständnis der Kirche,
2. das innere Leben der Kirche, ihre Liturgie, ihr Lehramt, die Leitungsfunktionen u. »Stände«
3. ihre Beziehungen u. ihr Zeugnis nach »außen«, zur geschwisterlichen nichtkatholischen Christenheit (Ökumene), zu den Nichtchristlichen Religionen, insbesondere zum Judentum, ihr Verständnis der Mission, ihr Verhältnis zur Welt in ihrer heutigen weltlichen Situation, ihre Haltung gegenüber dem heutigen weltanschaulichen Pluralismus (Religionsfreiheit).
Die umfassende Krise des Gottesglaubens wurde vom Konzil nicht herbeigeführt u. auch nicht thematisiert, allenfalls aufgehalten. Aus »Zeitnot« wurden andere dringliche Themen (Empfängnisregelung, Zölibat, Frauenordination) späteren Päpsten überlassen. Eine nachhaltige Wirkung hatte die Liturgiereform Pauls VI. Auf dem Konzil zutage getretene weitere Reformimpulse u. die Einsicht, daß auf argumentativen u. dialogischen Wegen Konsensbildungen zur Förderung kirchlicher Einheit effektiver sind als administrative Maßnahmen u. verordnete Uniformität, wurden nach dem Konzil zunehmend unwirksam gemacht. Ernsthafte ökumenische Anstrengungen wurden durch angestrengte Selbstdarstellungen des Papsttums, folgenlose verbale Beteuerungen u. verstärkte Betonung des kath. Sonderguts (Marienverehrung, Heiligsprechungen, Ablässe usw.) blockiert. Wegweisend für die Zukunft bleiben vor allem das Verständnis von Offenbarung u. Wahrheit, vom Glaubenssinn aller Glaubenden, von den Möglichkeiten der Ökumene u. des Dialogs mit anderen Religionen u. Weltanschauungen.

Aus: Herbert Vorgrimler, Neues Theologisches Wörterbuch,
Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2000, S. 655f.


Stellungnahmen und Erinnerungen:


Erfüllte und unerfüllte Forderungen an das Konzil

Die Hauptanliegen meines Buches "Konzil und Wiedervereinigung" sind weithin erfüllt worden:

  • das Ernstnehmen der Reformation als eines religiösen Ereignisses,
  • die Hochschätzung der Bibel im Gottesdienst, in der Theologie und im ganzen Leben der Kirche,
  • die Verwirklichung eines echten Volksgottesdienstes in Verkündigung und Abendmahl,
  • eine Aufwertung der Laienschaft in Gottesdienst und Gemeindeleben,
  • die Anpassung der Kirche an die verschiedenen Kulturen und der Dialog mit ihnen,
  • die Reform der Volksfrömmigkeit,
  • die "Reform" der römischen Kurie.

Was sind "die vom Konzil nicht gelösten Fragen"?

  • Geburtenkontrolle in persönlicher Verantwortung,
  • Regelung der Mischehenfrage (Gültigkeit der Ehe, Kindererziehung),
  • Priesterzölibat in der lateinischen Kirche,
  • Struktur- und Personalreform der römischen Kurie,
  • Reform der Bußpraxis: Beichte, Ablässe, Fasten (Freitag),
  • Reform der Prälatenkleidung und -titel,
  • Einschaltung betroffener Kirchengebiete bei Bischofsernennungen,
  • Papstwahl durch die für die Kirche repräsentativere Bischofssynode.

Aus: Hans Küng, Erkämpfte Freiheit. Erinnerungen,
Piper-Verlag, München 2002, 578f.


Literaturhinweise:



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