zuletzt aktualisiert: 10.02.2010
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IKvu kritisiert Erklärung von Alois Glück (ZdK) als unsachlich und unsensibel


Ökumenisches Netzwerk
Initiative Kirche von unten - IKvu

Pressemitteilung

IKvu kritisiert Erklärung von Alois Glück (ZdK) als unsachlich und unsensibel.
Einzeltäterthese verschleiert Zusammenhänge. Opferschutz ist wichtiger als das Ansehen der Kirche.

10.02.2010. Frankfurt/Main

Alois Glück nahm am 08.02.2010 als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Stellung zur aktuellen Diskussion über sexuelle Gewalt in der römisch-katholischen Kirche.

Diese Erklärung ist in mehrfacher Hinsicht unangemessen:

Es handelt es sich nicht um "sexuelle Übergriffe" einzelner Personen - die sozialpsychologischen Strukturen der Kirche haben die Erniedrigung von abhängigen Kindern und Jugendlichen durch sexuelle Vergewaltigung ermöglicht und tun es weiter.

Der Appell an die Opfer, den Regeln der bischöflichen "Leitlinien" (2002) gemäß mit der Kirche zu kooperieren, verkennt völlig die Situation dieser Menschen und die Defizite dieser Empfehlungen. Von den Opfern gar "Transparenz" einzufordern, kann nur als zynisch bezeichnet werden - nicht sie sind in der Transparenzpflicht, sondern die kirchlichen Behörden, die zuerst der Geheimhaltungsregel Johannes Pauls II. (2001) unterliegen.

Gerade P. Klaus Mertes SJ, Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin und selbst Mitglied im ZdK, mahnt immer wieder Konsequenzen aus dem Zusammenhang zwischen kirchlichen Strukturen und Straftaten dieser Art an. Daran hätte sich auch das ZdK in einer Stellungnahme orientieren müssen.

Stattdessen empfiehlt der ZdK-Präsident das Beispiel Benedikt XVI. "für die Aufklärung von solchen Missständen". Es war jedoch dieser Papst, der als Vorsitzender der Glaubenskongregation die aktuelle Verfahrensweise definierte, einschließlich der unseligen Geheimhaltungsklausel (2001), die Transparenz verhindert.

Alois Glücks Hinweis auf den "vorbildlichen Einsatz" kirchlich Engagierter unterschlägt leider, daß gerade die Kompetenz der katholischen Jugendverbände auch zu diesem Thema seit Jahren systematisch untergraben wird: Finanziell durch Stellenstreichungen und inhaltlich durch Vorgaben im Bereich Sexualpädagogik und -prävention. Als ZdK-Präsident sollten ihm diese Vorgänge vertraut sein.

Alois Glück vertritt in seiner Erklärung als Präsident des ZdK keinesfalls die Mehrheit der Laienorganisation. Insbesondere die katholischen Jugendverbände werden kein Verständnis für verharmlosende Formulierungen dieser Art aufbringen, die auf das angeschlagene Image der Kirche abzielen.

Die jüngere Generation im ZdK plädiert für einen angemessen sachlichen und sensiblen Umgang mit dem Thema "sexuelle Gewalt in der Kirche" und für eine tiefergehende Analyse. Der Zusammenhang zwischen sexueller Gewalt und den kirchlichen Strukturen ist für sie kein Tabu. Für diese Richtung stehen ZdK-Mitglied P. Klaus Mertes SJ und viele andere im ZdK.

Von "Mitgefühl" zu sprechen ist nicht genug - die Aufrichtigkeit dieser Behauptung erweist sich im konsequenten Handeln aus christlicher Verantwortung. Nicht das "Ansehen unserer Kirche" steht jetzt im Mittelpunkt, sondern: Was ist geschehen, warum ist es geschehen und was kann das ZdK dazu beitragen, dies in Zukunft zu verhindern.

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer

Kontakt:
Bernd Hans Göhrig
0179 - 52 44 075
goehrig@ikvu.de

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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.

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Oscar-Romero-Haus, Heerstraße 205, 53111 Bonn
http://www.ikvu.de

Die Erklärung des ZdK ist zu finden unter: http://www.zdk.de/pressemeldungen/meldung.php?id=563