zuletzt aktualisiert: 21.02.2010
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IKvu: Erwartungen an Bischofskonferenz



Ökumenisches Netzwerk
Initiative Kirche von unten - IKvu


Pressemitteilung

Erwartungen an Bischofskonferenz: Aufklärung, Prävention, Entschädigung, Verjährung aufheben

21.02.2010. Frankfurt/Main

Zum Thema "Sexuelle Gewalt" muss die am Montag, 22. Februar, beginnende Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) überzeugende Antworten zu vier Bereichen finden:

1. Aufklärung
Die bisherige kircheninterne Aufklärung von Fällen sexueller Gewalt hat sich nicht bewährt: Das Weiterwirken einer Kultur der Vertuschung, kirchenrechtliche Vorgaben und die daraus sich ergebende systemische Verstrickung der aufklärenden Personen machen Aufklärung unmöglich.

Die IKvu sieht daher in der Einsetzung einer unabhängigen staatlichen Untersuchungskommission den einzig sinnvollen Weg. Unterstützt wird diese Einschätzung durch das positive Beispiel des Vorgehens des Jesuitenordens.

2. Prävention
Eine vollständige Verhinderung künftiger Straftaten wird aus systemischen Gründen - herausgehobene Stellung des geweihten Mannes, hierarchische Struktur - nicht möglich sein. Eine wirksame Minimierung setzt demnach voraus, die negativen Folgen dieser Struktur zu umgehen - mit Blick auf die Gruppe der potentiellen Opfer:

Der Vorrang einer parteilichen und emanzipatorischen Kinder- und Jugendarbeit innerhalb der Kirche darf nicht mehr in Frage gestellt werden. Damit einhergehen müssen strukturelle und finanzielle Regelungen für eine weitere Profilierung der Kinder- und Jugendarbeit. "Kinder und Jugendliche stark machen!" ist die beste Prävention.

Flankierende unerlässliche Maßnahmen sind die Einrichtung von diözesanen unabhängigen Ombudsstellen, Berücksichtigung in der Priesterausbildung sowie die Einrichtung einer "Ständigen Kommission Sexuelle Gewalt" auf der Ebene der DBK.

3. Entschädigung
Jenseits der selbstverständlichen finanziellen Unterstützung für Beratung und Therapie muss der grundsätzliche Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung anerkannt werden.

4. Verjährung
Die DBK muss sich nachdrücklich für die Aufhebung der Verjährungsfrist von max. 20 Jahren nach Eintritt des 18. Lebensjahres einsetzen.

Sexuelle Gewalt durch Priester der römisch-katholischen Kirche ist ein Problem, über das nicht mehr relativierend verhandelt werden darf. Daran müssen sich die Beschlüsse der DBK am Ende dieser Woche messen lassen.

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer

Kontakt:
Bernd Hans Göhrig
0179 - 52 44 075
goehrig@ikvu.de

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