zuletzt aktualisiert: 14.04.2010
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IKvu verurteilt skandalöse Äußerungen gegen Schwule bei "Anne Will".


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Initiative Kirche von unten - IKvu

Pressemitteilung

IKvu verurteilt skandalöse Äußerungen gegen Schwule bei "Anne Will". Joseph Ratzinger verantwortlich für sexualfeindliches Klima in der Kirche.

14.04.2010. Frankfurt/Main

Äußerungen wie die von Bischof Overbeck (Essen) in der TV-Sendung "Anne Will" (ARD) und Kardinalstaatssekretär Bertone stellen eine unsachgemäße Vermischung von "sexualisierter Gewalt" und Homosexualität dar. Sie verdrehen Ursache und Wirkung der kirchlichen Sexualpolitik und kennzeichnen eine nicht tolerierbare Strategie im Umgang mit sexuellen Gewaltstraftaten in der römisch-katholischen Kirche.

In dieser Perspektive ist die römische Kirche selbst Opfer angeblich kirchenfeindlicher Kräfte: Investigative Medien, kirchenkritische Initiativen wie die IKvu sowie Schwule und Lesben, die im fundamentalistischen Kirchenbild nur als "krank" vorgesehen sind. Doch gerade die lange Verfolgungsgeschichte von Schwulen und Lesben ist selbst Teil kirchlicher Gewaltausübung.

Kirchliche Rechtsaußen wie Kardinal Bertone und Bischof Overbeck gehen damit zum Gegenangriff über: Als Stichwortgeber im rechten Kirchenmilieu denunzieren sie öffentlich Schwule und Lesben, nachdem sie sich durch die anhaltenden Enthüllungen der vergangenen Monate in die Ecke getrieben fühlen. Diese Art von "Selbstentschuldigungsstrategie" bestätigt nur das Misstrauen der Betroffenen von sexueller Gewalt in den Veränderungswillen der Kirche.

"Das ist die altbekannte Sündenbock-Strategie - letztlich mit dem Ziel, Joseph Ratzinger aus der Schusslinie zu nehmen", so Peter Bürger, katholischer schwuler Theologe in Düsseldorf. "Gerade der Anti-Schwulenkurs von Joseph Ratzinger seit 1986 hat das homophobe Klima der Angst in der Kirche verstärkt und damit einen ehrlichen und offenen Umgang mit Sexualität behindert. Das betrifft hetero- und homosexuelle Menschen gleichermaßen, und es verschlechterte die Präventionsbedingungen für sexualisierte Gewalt immens."

Es ist skandalös, dass liberalere Bischöfe auch hier in der Bundesrepublik dazu schweigen - zumal zahlreiche homosexuelle Priester gute Seelsorger sind und die Kirche am Leben erhalten. Dabei wird sich kein Bischof der negativen Wirkung dieser Diffamierungskampagne entziehen können: Die Öffentlichkeit unterscheidet nicht zwischen "Konservativen" und "Traditionalisten" in der Kirche - die Austrittszahlen sprechen vom Abscheu der Menschen über das Verhalten der Bischöfe auch untereinander.

Die Frage stellt sich außerdem, warum TV-Sendungen wie "Anne Will" dieser Art von Brandstiftung immer wieder, noch dazu im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, ein Forum geben: Bischöfe wie Overbeck, Meisner (Köln) und Mixa (Augsburg) nutzen diese Gelegenheiten zu Provokation und Hetze, assistiert von kirchlichen Clowns wie der ominösen "Generation Benedikt".

Kontakt:
Peter Bürger
Tel.: 0211 - 67 84 59

Bernd Hans Göhrig (Frankfurt am Main)
Mobil 0179 - 52 44 075

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