zuletzt aktualisiert: 19.04.2010
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IKvu Resolution Afghanistankrieg


Ökumenisches Netzwerk
Initiative Kirche von unten - IKvu

Pressemitteilung 

Afghanistan: Klares Nein zu Krieg und Gewalt. Kirchengemeinden müssen Zeichen setzen. Pazifistischer Auftrag der christlichen Kirchen.

19.04.2010. Frankfurt/Main 

Resolution der IKvu-Delegiertenversammlung:

Klar reden - klar handeln: Nein zum Afghanistan-Krieg
"Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel." (Mt 5,37).

"Nichts ist gut in Afghanistan!" Mit diesem Satz in der Neujahrspredigt der damaligen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann begann verheißungsvoll das Jahr 2010. Danach bestand Hoffnung, dass die Evangelische Kirche sich zu einer eindeutigen Position gegen den Afghanistan-Krieg durchringen und die teils unklare Friedensdenkschrift "Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen" (2007) überdenken würde. Diese Hoffnung wurde leider enttäuscht. Die Delegiertenversammlung der IKvu kritisiert in diesem Zusammenhang insbesondere die Stellungnahme "Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen / Ein evangelisches Wort zu Krieg und Frieden in Afghanistan" (25.02.2010), welches den so mutigen Vorstoß wieder relativiert. Umso bedauerlicher ist die Sprachlosigkeit der römisch-katholischen Kirche in dieser wichtigen Frage.

Die Delegiertenversammlung der IKvu begrüßt das Vorhaben von Präses Schneider und der Militärbischöfe, Afghanistan zu besuchen. Sie ermutigt die Bischöfe ausdrücklich, sich nicht auf fernsehwirksame Truppenbesuche zu beschränken. Vielmehr sollen sie sich in Gesprächen mit der einheimischen Bevölkerung und den Nichtregierungsorganisationen einen realistischen Eindruck verschaffen.

Die Gründe für die Ablehnung des Afghanistan-Krieges haben sich seit dessen Beginn nicht geändert und treten immer stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Diese sind:

a.. Die Reetablierung des Krieges als Mittel deutscher Außenpolitik zur Durchsetzung geostrategischer und wirtschaftlicher Interessen.

b.. Die Komplizenschaft der deutschen Politik und der Bundeswehr mit einem korrupten Unrechtsregime, das die Entwicklung der Zivilgesellschaft bewusst behindert.

c.. Die Betonung des Militärischen gegenüber dem Humanitären in der deutschen Afghanistanpolitik. Dies betrifft in jüngster Zeit sowohl die beschlossene Ausrüstungs- und Truppenaufstockung als auch die Verknüpfung von staatlicher Unterstützung für Hilfsorganisationen mit deren Bereitschaft, mit der Bundeswehr zu kooperieren. Hinzu kommt das krasse Missverhältnis zwischen Militärausgaben und Mitteln für zivilen Aufbau, ganz abgesehen davon, dass ein großer Teil der Aufbauhilfe in die Geberländer zurückfließt.

d.. Der klare Zusammenhang zwischen deutscher Kriegsführung und seit Jahren rasant steigenden deutschen Rüstungsexporten.

Die Delegiertenversammlung der IKvu fordert die Kirchen in Deutschland auf, sich stärker an der öffentlichen Diskussion zu beteiligen und sich in der Nachfolge Jesu Christi auf ihre pazifistischen Wurzeln zu besinnen (Mt 5,9: Selig sind die Friedensstifter). Es ist ein Mangel an Glauben, den Krieg als Mittel der Politik nicht grundsätzlich auszuschließen. Vielmehr bezeugt der Krieg ein Versagen von Politik. Gerade die Kirchen und alle Christinnen und Christen sind dazu aufgerufen, auf tragfähige, friedliche Lösungen dieses Konfliktes - und anderer Kriege in der Welt - hinzuwirken. Dies sind wir allen Opfern militärischer Gewalt schuldig. Dies gilt vorrangig den zivilen Opfern des Krieges, aber auch den gefallenen Soldaten, die nicht als Helden sterben, sondern zugunsten von Interessen, die nicht ihre eigenen sind.

Die Delegiertenversammlung der IKvu sagt daher klar "Nein" zu Krieg und Gewalt. Sie fordert kreative, gewaltfreie Konfliktlösungen. Wir ermutigen alle christlichen Gemeinden, klare Zeichen gegen den Krieg zu setzen, die Kirche und Politik nicht länger ignorieren können. 

Kontakt:

Dr. Uwe-Karsten Plisch
Mobil 0176 - 502 69 099

Bernd Zielmann
Mobil 0160 - 975 840 60

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