zuletzt aktualisiert: 08.05.2010
home

IKvu: Causa Mixa


Ökumenisches Netzwerk
Initiative Kirche von unten - IKvu

Pressemitteilung

"Causa Mixa": Kirche versagt in der Demokratie

07.05.2010. Frankfurt/Main

Die eskalierenden Umstände des Rücktritts von Bischof Walter Mixa zeigen drastisch wie selten: Zwangsläufig geraten Vertreter eines autoritären Kirchenbildes in Konflikt mit dem demokratischen Rechtsstaat.

Doch sowohl die politischen Parteien als auch staatliche Institutionen vermeiden es, die Implementierung demokratischer Standards und den Anspruch einer Parallelwelt zu thematisieren - dadurch käme das "Staat-Kirche-Verhältnis" auf die politische Agenda. Ein Paradebeispiel für diese Schützenhilfe ist der sog. Runde Tisch zum Thema "Missbrauch" des politischen Establishments auf Kosten der Betroffenen. Daher können die kirchlichen Repräsentanten ihre Geschäfte in dem Bewusstsein einer doppelten Unangreifbarkeit führen: Geschützt durch das besondere Staat-Kirche-Verhältnis im Grundgesetz und primär einem kircheninternen Rechtssystem verpflichtet.

Diese Verweigerungshaltung gegenüber Demokratie und Menschenrechten kostet die Kirche jedoch nun mehr Ansehen, als sie verkraften kann. Dadurch steht ihre privilegierte Position in der staatlichen Architektur der Bundesrepublik faktisch zur Disposition - und tatsächlich ist sie nie wirklich in der Verfassungsrealität der Bundesrepublik angekommen.

Das kirchliche Führungspersonal selbst ist auf diesen Konflikt nicht vorbereitet: Von Rom her auf ein kitschiges Kirchenbild mit Versatzstücken eines Katholizismus aus dem 19. Jahrhundert verpflichtet, versuchen die Fähigeren unter den deutschen Bischöfen den Spagat zwischen Rom und Realität. Mangelnde intellektuelle und moralische Reife kennzeichnet jedoch nicht nur den Augsburger Bischof. Auch andere Bischöfe stehen in der Kritik - der Regenburger Bischof Gerhard Müller verstieß sogar gegen die kircheneigenen Leitlinien zu "sexuellem Missbrauch" (2002) und versetzte einen verurteilten Straftäter von einer Pfarrei in die nächste, wo er wieder vergewaltigte.

Eine Grundsanierung dieses Systems ist überfällig. Stattdessen wird Walter Mixa nun als Sündenbock in die Wüste geschickt, verbunden mit der Hoffnung, damit öffentliche Aufmerksamkeit abzulenken. Doch Bischöfe wie Mixa, Müller und Meisner sind das Ergebnis einer negativen Auslese: Nicht pastorale oder theologische Qualifikationen entschieden über ihren Aufstieg, sondern Papsttreue und das blinde Befolgen römischer Anweisungen. Selbstherrlich und von der Unangreifbarkeit ihrer Kirche überzeugt, gelten ihnen die Regeln unserer demokratischen Zivilgesellschaft als Zumutung. Dazu muss sich der Staat verhalten.  

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer  

Kontakt:
Bernd Hans Göhrig
Mobil: 0179 - 52 44 075 

***
Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.
***

Ökumenisches Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu)
Oscar-Romero-Haus, Heerstraße 205, 53111 Bonn