IKvu: Causa Mixa
Ökumenisches Netzwerk
Initiative Kirche von unten - IKvu
Pressemitteilung
"Causa Mixa": Kirche versagt in der
Demokratie
07.05.2010. Frankfurt/Main
Die eskalierenden Umstände des Rücktritts von Bischof
Walter Mixa zeigen drastisch wie selten: Zwangsläufig geraten Vertreter
eines autoritären Kirchenbildes in Konflikt mit dem demokratischen
Rechtsstaat.
Doch sowohl die politischen Parteien als auch
staatliche Institutionen vermeiden es, die Implementierung demokratischer
Standards und den Anspruch einer Parallelwelt zu thematisieren - dadurch käme
das "Staat-Kirche-Verhältnis" auf die politische Agenda. Ein
Paradebeispiel für diese Schützenhilfe ist der sog. Runde Tisch zum Thema
"Missbrauch" des politischen Establishments auf Kosten der
Betroffenen. Daher können die kirchlichen Repräsentanten ihre Geschäfte
in dem Bewusstsein einer doppelten Unangreifbarkeit führen: Geschützt
durch das besondere Staat-Kirche-Verhältnis im Grundgesetz und primär
einem kircheninternen Rechtssystem verpflichtet.
Diese Verweigerungshaltung gegenüber Demokratie und
Menschenrechten kostet die Kirche jedoch nun mehr Ansehen, als sie
verkraften kann. Dadurch steht ihre privilegierte Position in der
staatlichen Architektur der Bundesrepublik faktisch zur Disposition - und
tatsächlich ist sie nie wirklich in der Verfassungsrealität der
Bundesrepublik angekommen.
Das kirchliche Führungspersonal selbst ist auf diesen
Konflikt nicht vorbereitet: Von Rom her auf ein kitschiges Kirchenbild mit
Versatzstücken eines Katholizismus aus dem 19. Jahrhundert verpflichtet,
versuchen die Fähigeren unter den deutschen Bischöfen den Spagat zwischen
Rom und Realität. Mangelnde intellektuelle und moralische Reife
kennzeichnet jedoch nicht nur den Augsburger Bischof. Auch andere Bischöfe
stehen in der Kritik - der Regenburger Bischof Gerhard Müller verstieß
sogar gegen die kircheneigenen Leitlinien zu "sexuellem
Missbrauch" (2002) und versetzte einen verurteilten Straftäter von
einer Pfarrei in die nächste, wo er wieder vergewaltigte.
Eine Grundsanierung dieses Systems ist überfällig.
Stattdessen wird Walter Mixa nun als Sündenbock in die Wüste geschickt,
verbunden mit der Hoffnung, damit öffentliche Aufmerksamkeit abzulenken.
Doch Bischöfe wie Mixa, Müller und Meisner sind das Ergebnis einer
negativen Auslese: Nicht pastorale oder theologische Qualifikationen
entschieden über ihren Aufstieg, sondern Papsttreue und das blinde Befolgen
römischer Anweisungen. Selbstherrlich und von der Unangreifbarkeit ihrer
Kirche überzeugt, gelten ihnen die Regeln unserer demokratischen
Zivilgesellschaft als Zumutung. Dazu muss sich der Staat verhalten.
Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer
Kontakt:
Bernd Hans Göhrig
Mobil: 0179 - 52 44 075
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